Trekking-Fähigkeiten

Wie sie uns im Alltag weiterhelfen

Wandern ist schon lange nicht mehr nur das Hobby der Älteren. Zwar ist gut die Hälfte der wandernden Bevölkerung zwischen 40 und 59 Jahre alt, doch es kommen auch immer mehr junge Leute auf den Trekking-Geschmack. Viele zieht es in der Freizeit in Naherholungsgebiete und auf Trekkingrouten durch die Berge, um die Natur aktiv zu erkunden und Kraft zu tanken. Wer viel am Schreibtisch sitzt und kaum Bewegung in den Alltag bringen kann, findet beim Wandern den idealen Ausgleich – und manchmal auch die dringend benötigte Perspektive.

 

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Bild: Pixabay
Das Wandern bring nicht nur einen mentalen Ausgleich mit sich, sondern fördert auch wichtige Kompetenzen.

 

Während einige das Wandern allerdings nur als gelegentliche – und gemütliche – Freizeitaktivität betrachten, geht es anderen vor allem um die Herausforderung und das Erfolgserlebnis. Das zeigt sich auch am großen Angebot der Trekkingurlaube außerhalb der Landesgrenzen: Immer mehr Reiseanbieter organisieren individuelle Touren in die entferntesten Länder und deren sagenhafte Landschaften, die Reisende nicht nur in echte Traumkulissen entführen, sondern auch Anstrengung und Durchhaltevermögen fordern.

Was wir dabei oftmals vergessen: Trekking fördert nicht nur die Fitness und sorgt für Erholung. Wer regelmäßig wandert und sich auf die Hürden eines neuen Weges einlässt, entwickelt eine Vielzahl von Fähigkeiten, die im Alltag nützlich sind. Neben der Förderung von Kreativität und der Durchblutung des Gehirns eignen wir uns auch praktische Kenntnisse an, die sich auf viele Bereiche wie Job und Freizeit anwenden lassen. Wir stellen Ihnen einige dieser Fähigkeiten vor und zeigen, wie diese Ihr Leben positiv beeinflussen.

 

1. Risikokompetenz

Wer abwechslungsreiche Wege und Herausforderungen beim Trekking liebt, der weiß, dass man stets Vorsicht und Achtsamkeit walten lassen muss. Das gilt nicht nur für Anfänger, die sich langsam an das Wandern herantasten und körperlich nicht übernehmen sollten. Auch Fortgeschrittene und Profis müssen auf noch unbekannten Routen konzentriert bleiben und andere Faktoren wie Ausrüstung, Wetter und eigene Grenzen berücksichtigen – vor allem, wenn es in die Höhe geht! Gerade die richtige Ausrüstung dämmt das Risikopotential ein und sorgt für mehr Sicherheit. Regelmäßiges Trekking schärft unsere Sinne und somit auch die Risikokompetenz. Risikokompetenz bedeutet, dass wir nicht nur Gefahren wahrnehmen und allgemein beurteilen können, sondern auch eine individuelle Entscheidung treffen und konkret nach dieser handeln. Sehen wir uns einer Hürde gegenüber, z. B. einem steilen Abstieg, stellen wir uns eine Reihe von Fragen: Kann ich das Risiko unbesorgt nehmen? Sollte ich lieber eine Alternative in Erwägung ziehen? Welche Faktoren kann ich kontrollieren? Welche nicht? Was kann im schlimmsten Fall passieren?

Es wird deutlich: Die Bereitschaft, Risiken einzugehen, hat viel mit der eigenen Einschätzung, aber auch einer rationalen Beurteilung der aktuellen Lage und möglichen Konsequenzen zu tun. Im Alltag kennen wir diese Situationen ebenfalls. Je nach Lebensabschnitt müssen wir größere Entscheidungen treffen, die radikale Veränderungen nach sich ziehen können, etwa der Umzug in eine andere Stadt oder ein anderes Land, die Kündigung des Jobs, die Anschaffung eines Haustiers, und mehr. Wer seine Risikokompetenz beim Wandern steigert, kann diese somit auch auf wichtige Momente und Entscheidungsfragen übertragen und von positiven Erlebnissen zehren. Man bekommt mit der Zeit ein Gefühl für die eigenen Stärken und Schwächen und merkt, wann ein Risiko tatsächlich eine Gefahr ist – und wann sie nur die eigene Angst vor Veränderungen widerspiegelt.

 

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Bild: Unsplash

 

2. Reaktionsvermögen

So konzentriert und aufmerksam man auch als Wanderer ist – manchmal ergeben sich unerwartete Situationen, mit denen man im Vorfeld nicht rechnen konnte. Denn die Natur ist zwar ein Ort zum Krafttanken und Genießen, doch sie hat genau wie wir Menschen auch ihre Launen und Gefahren. Ein plötzliches Unwetter, ein eigener oder fremder Unfall, Orientierungslosigkeit oder GPS-Verlust, eine ungeeignete Wanderroute – je nach Dringlichkeit und Schweregrad ist ein schnelles Reaktionsvermögen gefragt. Dieses wird immer von externen Reizen – das, was wir sehen, hören oder fühlen – aktiviert und löst im Körper eine motorische Handlung aus. Wie auch im Falle der Risikokompetenz steht am Anfang die Wahrnehmung. Danach identifizieren wir den Reiz, wählen eine Reaktion und drücken diese körperlich aus. Menschen reagieren unterschiedlich schnell und im Alter ist mit dem Abbau des Reaktionsvermögens besondere Vorsicht geboten.

Beim Wandern fördern wir nicht nur unsere Fähigkeit zu reagieren, sondern passen uns auch an neue Situationen an, ohne zu resignieren. Wir suchen bzw. entwickeln selbst einen Plan B, der das Problem löst und uns weiterbringt, oder schützen unsere eigene Gesundheit vor Schäden. Diese Kompetenz kommt uns im Alltag allgemein zu Gute, z. B. beim Autofahren oder in einem wichtigen Gespräch. Aber auch wer sich privat für Finanzen und Anlagen interessiert, kann daraus einen großen Vorteil ziehen. Schließlich ist die Börse für ihre teils unvorhersehbaren Schwankungen und Einbrüche bekannt. Nur eine schnelle Reaktion und Entscheidung, ob die Aktie verkauft oder behalten werden soll, kann im schlimmsten Fall den Schaden begrenzen.

 

3. Wahrnehmung anderer

Es ist ein einfaches und allgemein bekanntes Prinzip: Wanderer grüßen sich. Was Neulingen auf den ersten Blick lästig erscheinen mag – vor allem, wenn die Trekkingroute stark besucht ist – hat einen praktischen Hintergrund. Wenn man sich gegrüßt hat, hat man sich auch wahrgenommen. Heißt konkret: Falls jemandem etwas passieren sollte, steigt dank der Wahrnehmung die Wahrscheinlichkeit, dass derjenige identifiziert und sein Aufenthaltsort schneller bestimmt werden kann. Im Zeitalter des Smartphones und der permanenten, digitalen Reizüberflutung fordert das natürlich eine gute Portion an Achtsamkeit. Aber auch hier unterstützt uns regelmäßiges Wandern dabei, unsere Sinne zu schärfen und unsere Mitmenschen bewusster zu registrieren. Welche Vorteile das im Alltag hat?

Die Einprägung von Gesichtszügen und besonderen Merkmalen hilft nicht nur im – zugegeben, eher unwahrscheinlichen – Fall, dass uns die Polizei für die Erstellung eines Phantombilds zurate zieht. Körpersprache wahrnehmen und deuten zu können bedeutet nämlich Wissen, und Wissen wiederum bedeutet Überlegenheit. Das gilt für alle Lebenslagen. Wer Poker spielt, weiß um die Bedeutung des sogenannten Poker Face. Neben den Karten und der eigenen Erfahrung ist es als guter Spieler mindestens genauso wichtig, seine Kontrahenten zu beobachten und ihre Mimik und Gestik zu entschlüsseln. Diese gibt Aufschluss über Spielweise und Strategie und kann die Gewinnchancen auch bei einem schlechten Blatt enorm steigern.

Wandern als nette Aktivität im Ruhestand? Diese Vorstellung ist tatsächlich überholt. Heute ist regelmäßiges Trekking nicht nur die beste Methode für Jung und Alt, um sich fit zu halten und in der ruhigen Natur vom Stress zu erholen. Die dabei entwickelten praktischen Fähigkeiten wie Risikokompetenz, Reaktionsvermögen und die Wahrnehmung anderer lassen sich auch auf Arbeit, Freizeit und Alltagsleben übertragen und helfen uns dabei, ein selbstbestimmteres und zufriedeneres Leben zu führen.

 

 

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