Island abseits ausgetretener Pfade: Strútsstígur und Hellismannaleið

Island boomt als Trekkingziel. Doch während sich auf dem populären Laugavegur die Massen tummeln, finden benachbarte Treks der Fjallabak-Region, wie Strútsstígur und Hellismannaleið, kaum Beachtung. Zu Unrecht, wie Erik Van de Perre herausfand.

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Baldurs Miene verdüstert sich. »Álftavötn? Nein, da könnt ihr nicht hin«, brummt der Wirt von Hólaskjól. Südisland ächzt seit Tagen unter dem ersten Herbststurm. Viele Bäche und Flüsse sind durch den massiven Regen unpassierbar geworden, darunter die Syðri-Ófæra, das größte Hindernis auf dem Weg nach Álftavötn. Der Plan, in acht Tagen von Hólaskjól nach Rjúpnavellir auf der Westseite des Vulkans Hekla zu laufen, scheint schon vorab zum Scheitern verurteilt.

Island

Mit einer Fläche von rund 103.000 Quadratkilometern ist Island nach dem Vereinigten Königreich flächenmäßig der zweitgrößte Inselstaat Europas. Die Hauptinsel liegt im Nordatlantik südlich des nördlichen Polarkreises. Geprägt ist die Landschaft Islands zum einen durch Vulkanismus (größte Vulkaninsel der Erde), zum anderen durch den Wasserreichtum. Die Einwohnerzahl liegt bei ca. 318.000.

Wo ist die Brücke?

Doch dann hat Baldur eine Eingebung: »Es gibt auch eine Brücke«, sagt er. Eine Brücke? Na, dann… Eine Viertelstunde später stehen wir am Ufer der Syðri-Ófæra. Schon bevor wir die Tür des zerbeulten Toyota Hilux öffnen, ist das Brüllen des Flusses zu hören, der sich wild schäumend seinen Weg bahnt. Doch wo ist die Brücke? Als Baldur auf das tosende Gewässer zeigt, begreife ich. Die »Brücke« ist nichts anderes als eine Reihe von Basaltfelsen im Fluss, direkt oberhalb einer der übelsten Stromschnellen. Bei Niedrigwasser könnte man wohl von Stein zu Stein über den Fluss hüpfen, jetzt sind aber auch diese Felsen in den graubraunen Fluten verschwunden.

»Ich warte. Wenn es nicht klappt, nehme ich euch wieder mit nach Hólaskjól«, verspricht Baldur. Wenn es nicht klappt, wird uns der Fluss auf direktem Wege in den Atlantik spülen, fürchte ich. Heikos Miene verrät, dass ihm dieser Gedanke auch schon gekommen ist. Dennoch machen wir uns auf den Weg. Langsam, das gegenüberliegende Ufer fest im Blick, tasten wir uns durch das reißende Gewässer. Als wir nach einer scheinbaren Ewigkeit auf das bemooste Ufer klettern, jubelt Baldur mit uns mit. Zwei Minuten später ist der rote Jeep verschwunden. Jetzt gibt es nur noch eine Richtung: nach Westen.

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Am Ufer eines Sees duckt sich die Hütte von Álftavötn. Ein schlichtes Häuschen, dessen Bauweise an die der Torfhöfe erinnert. Die Grundmauern bestehen aus Basaltblöcken bedeckt mit Grassoden. Drinnen soll ein Kerosinofen eine heimelige Atmosphäre verbreiten – das heißt, wenn man ihn angezündet bekommt. Aus der Betriebsanleitung werden wir nicht wirklich schlau. Sicher ist nur die dort enthaltene Warnung: Bei Verwendung eines falschen Treibstoffs könnte der Ofen in die Luft fliegen, lese ich. Na, super! Ein großer Kanister enthält eine obskure Flüssigkeit. Kerosin? Auf gut Glück schütten wir den Inhalt in den Ofen, zünden den ausgefahrenen Docht und … warten auf den Knall. Stattdessen qualmt das Ding zunächst so stark, dass wir befürchten, zumindest von den Abgasen ins Jenseits befördert zu werden. Es geht aber alles glatt und wir können den Aufenthalt doch noch genießen.

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Der Strútsstígur (oben) führt weitgehend durch wegloses Gelände.

Verheerender Vulkanausbruch

Als wir am nächsten Morgen aufbrechen, ist dem Sturm die Puste ausgegangen. Nur der klagende Ruf eines Goldregenpfeifers begleitet uns auf dem Weg entlang der Syðri-Ófæra, deren Pegel über Nacht deutlich gefallen ist. Weiter oben rauscht der Fluss durch eine malerische Schlucht, eingerahmt von grünen Steilhängen mit weidenden Schafen. Doch das Idyll ist trügerisch. Wozu die Natur in der Lage ist, zeigt die nahe Eldgjá oder »Feuerschlucht«. Wie eine gewaltige Kerbe zieht sich die Explosionsspalte durch die Landschaft. Sie entstand 934, als ein verheerender Vulkanausbruch die Berge über eine Distanz von 40 Kilometern aufriss. Lavaströme ergossen sich an der Südküste ins Meer, während giftige Gase einen Großteil der Inselbewohner dahinrafften.

Text/Bilder: Erik Van de Perre

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 03/2014.

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