Auf der Sonnenseite der Schweiz

Das Tessin auf tausenden Kilometern an Trekkingpfaden erleben

4.000 Kilometer Wanderwege ziehen sich durch das Tessin. Der Sentiero Cristallina, die Lugano Trekking Tour und die Via Alta Vallemaggia gehören zu den interessantesten Mehrtagestouren in den Tessiner Alpen, die vom mediterranen Flair bis zu hochalpinen Gefilden alles zu bieten haben, was das Wanderherz begehrt.

 

Text: Annika Müller / Bilder: Ticino.ch

 

Die Ruhe und Kraft der Berge, der Anstieg, der uns bis an die Grenzen treibt, die klare Luft in den Lungen, schwindelerregende Höhen und schließlich die Belohnung: grandiose und endlose Aussichten. Das ist die Essenz des Fernwanderns im Tessin, wo drei besondere Trekkinghighlights warten: die Via Alta Vallemaggia, die Lugano Trekking Tour und der Sentiero Cristallina. Der stete Partner auf allen drei Wanderungen ist die Natur. Und so treu sie uns auf den Wegen begleitet, so unterschiedlich kann sie hier auf der Sonnenseite der Schweiz sein, wo Palmen und vergletscherte Berge zusammentreffen. Die Via Alta Vallemaggia führt von den voralpinen, nahezu mediterranen Landschaften über dem Lago Maggiore bis zu den hochalpinen Gefilden am Basòdino.

Auf dem Gebirgskamm rund um das Maggiatal geht es auf insgesamt 200 Kilometern und 16 bis 19 Etappen über Grate und Gipfel von Hütte zu Hütte. Die klassische Via Alta Vallemaggia, die von Cardara in sechs Etappen über uralte Hirtenwege nach Fusio führt, findet ihre Fortsetzung in der Rundtour Trekking dei Laghetti alpini und führt in jeweils einer Süd- und einer Nordvariante bis zum Rifugio Maria Luisa. Von hier aus kann man dann ab Sommer 2021 zehn zusätzliche abwechslungsreiche Etappen gehen und gelangt über den westlichen Bergkamm des Tals bis nach Ponte Brolla in die Nähe des Lago Maggiore und Locarnos. Somit kann man dann – ohne die Höhe zu verlassen – komplett um das Maggiatal herumwandern.

 

 

Erster Stopp beim Ziegenpeter

Die Wandersinfonie Via Alta Vallemaggia findet auf Etappe 1 bereits einen spektakulären Auftakt am Ufer des Lago Maggiore bei Locarno. Sportliche machen hier 1.500 Höhenmeter zum Aufwärmen, andere lassen sich auf die aussichtsreiche Cimetta befördern: Von Locarno aus sind es nur fünf Minuten mit der Standseilbahn bis nach Orselina auf 395 Metern ü. d. M. und zur Talstation der Luftseilbahn, mit der man anschließend in noch kürzerer Zeit zur 1.340 Meter hohen Bergstation Cardara schwebt. Von hier aus geht es mit dem 2er-Sessellift weiter zur Cimetta – ein Gipfelchen im Vergleich zu dem, was die Wanderer noch erwartet, und doch ein durchaus appetitanregender Vorgeschmack. Vor allem der Blick zurück auf Locarno und den Lago Maggiore mit den winzigen bunten Segelchen darauf ist einmalig schön.

Der Gipfel ist aufgrund der mühelosen Erreichbarkeit recht belebt. Schnell zieht es einen daher weiter und hin zum großen Abenteuer in der Bergeinsamkeit der Tessiner Alpen. Bald hört man nur noch, wie das feine Geröll bei jedem Schritt leise unter den Bergstiefeln knirscht, den Wind, wie er durch schüttere Kieferbewaldung pfeift, das Krächzen der Krähen: den jahrtausendealten Klang der Berge. Weit weg von jeder Zivilisation fühlt man sich und kann kaum glauben, dass man immer noch nur einen Steinwurf vom Lago Maggiore entfernt ist. Noch spürt man deutlich den Druck des Rucksacks auf der Hüfte. Doch nach den fünf bis sechs Tagen, die man auf der klassischen Via Alta in der Höhe unterwegs sein wird, wird man fast zu einer Einheit mit dem schweren Gepäck. Setzt man den Rucksack ab, so scheint einem etwas zu fehlen.  Die erste Etappe macht als aussichtsreicher Ritt über Gipfelgrate und –flanken zwischen Vallemaggia und Verzascatal Lust auf mehr. Bei gutem Wetter (und das gibt es hier auf der Südseite der Alpen sehr häufig) blickt man bis zur Poebene, den Viertausendern des Wallis und zum Gipfel des Monte Rosa.

Das erste Etappenziel ist die Capanna Nimi (1.718 m), auch Rifugio Nimi genannt, wo die Wanderer von neugierigen Ziegen – 130 an der Zahl – und einem freundlichen Hüttenwart, Pietro Zanoli aus Gordevio, empfangen werden. Der »Ziegenpeter«, wie er sich selbst ironisch nennt, war im früheren Leben Banker und hat hier oben das gefunden, was der Wanderer auf der Via Alta Vallemaggia ebenfalls, wenn auch nur für wenige Tage, sucht: den Einklang mit der Natur, den Abstand zum eng getakteten modernen Leben.

Mit der Ankunft an der schlichten, aber gemütlichen Alpe Nimi wird man auf der Zeitachse um rund 100 Jahre zurückkatapultiert. Pietro Zanoli präsentiert stolz die riesigen Käseräder aus Ziegenmilch – Formaggella, semipasteurisiert, mit einer Reifezeit von 3-5 Wochen – und den cremigen Frischkäse, den er »Büscion del Geissenpeter« genannt hat. Allein 10 Tonnen an Frischkäse entstehen pro Saison. Man darf und soll natürlich kosten: Die Hingabe, mit der die Käse hergestellt worden sind, meint man zu schmecken. Das Handwerk hat Pietro Zanoli von seinem Onkel gelernt, von dem er auch die Capanna übernahm. Schon als Kind verbrachte er viel Zeit in den Bergen, umbeimMelken und Ziegenhüten zu helfen. Nun ist er Hüttenwart aus Leidenschaft und empfängt bis zu 400 Wanderer pro Saison.

Diese können hier auch unter freiem Himmel in einer Art offenem Baumhaus auf einem alten Kastanienstamm übernachten und den unendlichen Sternenhimmel und den einzigartigen Blick auf den Lago Maggiore genießen. Das Ende der Saison bestimmen die Ziegen, unter denen sich auch rund 80 schwarze, charakterstarke »Nera Verzasca« befinden. Diese alte Tessiner Rasse, die ihren Ursprung im Verzascatal hat, ist das Allradmodell unter den Ziegen, wie Pietro Zanoli es formuliert. Im November finden die Leitziegen allein hinab ins Tal, gefolgt von Pietro.

Drahseilakt am schmalen Grat

Von der Berghütte Nimi aus geht es anderntags zurück zum Hauptkamm und es zeigt sich schnell: Nicht meditativ-gleichförmiges Wandern steht auf dem Programm, sondern Adrenalin pur an ausgesetzten Wegstücken und Gipfelgraten. Wow, denkt man sich angesichts des wuchtigen Bergs, der sich wie eine Festung aufrichtet. Der felsige Madom da Sgiof (2.256 Meter) stellt die erste ernsthafte Herausforderung auf der Trekkingtour dar. Ein schmaler, recht luftiger Grat und kurze Kraxelpassagen, entschärft durch einige Eisenklammern, sind die ersten Prüfungen auf Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Hier zeigt sich bereits: Bergerfahrung und ein sicherer Tritt sind unerlässlich für die Via Alta Vallemaggia. Diesen Abschnitt sollte man wirklich nur bei sicherem Wetter gehen.

Der Passo Deva (2.036 Meter), ein breiter Sattel zwischen Maggia und Brione, eignet sich bestens für die wohlverdiente Rast, bevor es weiter durch die abschüssige, felsdurchsetzte Südflanke der Cima del Masnee (2.203 m) geht. Von hoch oben bereits erkennt man dann die Alpe Masnee (2.063 m), deren graue Steinhäuschen wie hingetupft an der Bergflanke hängen. Der Adlerhorst aus einst verfallenen Ställen ist ein gutes Beispiel einer gelungenen Umnutzung einer ehemaligen Alp. Man kann sich, während man bei Bergkäse und würzigem Brot in der gemütlichen Stube der Hütte sitzt, das harte Bergbauern leben noch immer gut vorstellen, das Mitte des 20. Jahrhunderts die Menschen in die Städte trieb. Heute sind überall im Tessin verfallene Gebäude wieder hergerichtet und zu Berghütten umgebaut worden.

 

 

Tierische Begegnungen

Der dritte Tag beginnt mit einemAbstecher auf die Verzascheser Seite. Am Sonnenhang des Poncione Piancascia mit seinen steilen Wiesen lecken neugierige Ziegen den Wanderern auch schon mal gerne das Salz von der Haut. An der Alpe Cuasca (1.693 m) erfrischt man sich am einzigen Brunnen der heutigen Strecke und peilt dann den Passo dei Due Laghi (auf Deutsch »Splügenpass«, 2.070 m) an. Der Übergang verbindet die Zwillingstäler Valle di Coglio und di Giumaglio mit den »Due Laghi«, den beiden Seen, je einer dies- und jenseits des Sattels. Mutige tauchen in die eiskalten Fluten ab, andere rasten und erfrischen zumindest die müden Füße im belebenden Wasser. Dafür hat man auf dieser dritten, recht kurzen Etappe ausreichend Zeit und kann vielleicht bei Ankunft an der Alpe Spluga (1.838 m) noch auf der Wiese dösen. Die Erholung ist nötig, denn am vierten Tag führt eine anspruchsvolle Etappe von Spluga zum Rifugio Tomei.

Ein Schild verkündet die Dauer der nur 8 km langen Strecke: 7 Stunden. Dass die Zeitangabe alles andere als übertrieben ist, wird man spätestens an der Bocchetta del Sasso Bello, einer Scharte auf 2.185 Metern Höhe, feststellen. Hinter der Scharte eröffnet sich das Valle Lavizzara, durch das die Via Alta Vallemaggia in den kommenden Tagen führen wird. Nachdem man den Blick über das idyllische Tal tief in sich eingesogen hat, sollte man beim Weitergehen lieber zu Boden blicken: Der steile Abstieg im losen Geröll, ein anschließendes weites Blockfeld und die Überschreitung des Ausläufers der Cima di Broglio mit leichten, aber luftigen Kletterpassagen (mit Fixseilen entschärft) erfordern höchste Konzentration. Das Herz klopft bis zum Hals, der Kopf wird frei.

Abenteuerlich geht es weiter: Eine Blockhalde und abschüssige Felsplatten, auch sie seilgesichert, lassen noch einmal den Adrenalinspiegel steigen. Lieber nicht hinunterschauen? Doch: Den Blick aus luftiger Höhe sollte man sich nicht entgehen lassen! Zwischen den Beinen hindurch fällt er auf das Tal, das von leichtem Schleiernebel bedeckt wird wie mit einem Seidentuch. Durchschnitten wird es von Graten, die erst in weiter Ferne abflachen und aussehen wie Drachenrücken. Das Gefühl der Ausgesetztheit, die Mischung aus Selbstüberwindung, leichtem Angstschauer und Freude an der Bewegung im komplizierten Gelände – dies sind die Elemente, die diese Etappe zu einem besonderen Erlebnis machen. Und damit noch nicht genug: Hinter dem Passo di Chènt (2.224 m) wartet ein komplizierter Abstieg ins Val Tomé. Nach vielen Stunden inmitten einer abweisenden, schroffen und steinigen Gipfelwelt glitzert einem schließlich ein tropfenförmiger, lieblicher Bergsee, der Lago di Tomeo, aus dem Felsenkessel entgegen. Schnell noch ein erfrischendes Bad, bevor man zur gleichnamigen Capanna auf 1.739 m aufsteigt. Genau genommen sind es zwei Hütten: Das Rifugio Tomeo, eine alte Alphütte, wurde 1986 umgebaut und 2010 renoviert und hat sieben Notbetten. Neben der alten Hütte wurde 2014 die Capanna Tomeo aus einem alten Steinhaus mit einem modernen Holzanbau erstellt. Freiwillige Hüttenwarte wechseln sich hier in der Sommersaison ab.

 

 

Im Banne des Monte Zuccero

Oberhalb der beiden Tomeo-Hütten weitet sich anderntags die Landschaft, die vom charakteristischen Monte Zucchero (2.699 m) überragt wird, mit jedem Schritt. Beim Corte Piatto, wo eine alte Schäferhütte mit malerischem Ausblick steht, taucht unvermittelt die Corona di Redorta auf, die »Krone« des Verzascatals und mit 2.804 Metern über dem Meeresspiegel nach dem Pizzo Barone der zweithöchste Gipfel des Tals. Über kaum erkennbare Spuren und Felsbänder umgeht man die formschöne Gipfelpyramide. Heutiges Etappenziel ist die Capanna Barone (2.172 m), eine altehrwürdige Verzascheser Hütte, wo sich die Via Alta Vallemaggia mit der Via Alta Verzasca und der Via Idra trifft.

Am Folgetag erreichen wir den Höhepunkt der Tour im doppelten Sinne mit dem Gipfel des Campo Tencia (3.072 m), dem höchsten Berg, der vollständig auf Tessiner Boden liegt. Das Rheinwaldhorn (3.402 m) ist zwar noch deutlich höher, das müssen sich die Tessiner aber mit Graubünden teilen. Zwischen Lärchen steigt man nun an bis zum Piatto, der einzigen Hochebene entlang der Via Alta, mit winzigen Seen, Bächen und grünen Kuppen. Hier kann man genussvoll die Landschaftseindrücke aufsaugen, bevor nach dem Passo Fornale auf steilem Abstieg wieder Konzentration gefragt ist. Am kristallklaren Lago di Mognola gönnt man den Beinen eine Erfrischung. Der Abstieg nach Fusio, dem obersten Dorf im Val Lavizzara, einem Seitenarm des Maggiatals, ist nun noch ein Kinderspiel. Das am Hang klebende Bergdorf lädt zum längeren Verweilen ein.

Auf dem Trekking Laghetti Alpini

In Fusio knüpft die Via Alta Vallemaggia an den Rundweg des Trekking Laghetti Alpini an und führt in einer zweitägigen Nord- und einer dreitägigen Südvariante weiter bis zum Rifugio Maria Luisa (2.160 m). Danach geht es in zehn neuen Etappen zurück in die Nähe des Lago Maggiore und Locarnos. Als Höhepunkte stehen eine halbe Umrundung des Basòdino-Massivs auf knapp 2.800 Metern auf Etappe 10 – die höchste Etappe der Via Alta – und die Wanderung vom Valle di Campo ins Valle di Vergeletto auf Etappe 13 – eine der abwechslungsreichsten Etappen – auf dem Programm. Die letzte Etappe ist ein Querschnitt durch alle alpinen Waldstufen, von hochalpinen Lärchen über Birkenwäldchen und an jahrhundertealten Kastanien vorbei. In den tiefer gelegenen Wäldern haben sich in den letzten Jahren sogar Palmen verbreitet.

Und dann sieht man ihn wieder, den Lago Maggiore, der sich einem Fjord gleich durch die grünen Hügel zieht. Auf 250 Metern Höhe oberhalb von Locarno schließt sich der Kreis und endet das Abenteuer der Alta Via Vallemaggia: am türkisfarbenen Maggiafluss, der sich in den vergangenen Tagen stets unter unseren Fü.en durch das gleichnamige Tal geschlängelt hat.Was gibt es Schöneres, als nach einer mehrtägigen Wanderung die Füße im kalten Wasser zu erfrischen?

 

 

Sentiero Cristallina

Der Sentiero Cristallina ist mit nur drei Etappen eine gute Alternative für diejenigen, die etwas weniger Zeit haben. Die Trekkingtour verbindet Bignasco imMaggiatal, ein typisches tessiner Bergdorf, mit Airolo im Leventinatal. Dazwischen liegen steile Bergflanken, ein Wasserfall am Dorfrand, das namensgebende kristalline Gestein, alpine Seen und abgelegene Weiler. Die Tour startet in Bignasco (443 m) und führt durch das steinreiche, tief eingeschnittene Val Bavona vorbei an zwölf kleinenWeilern. Straßen und Menschenmengen gehören zu einer entfernten Welt. Man ist auf sich allein gestellt. Auf sich und die Natur. Ferne Schneefelder funkeln mit dem Basòdino Gletscher um die Wette. Andernorts wachsen gigantische Wände aus dem satten Grün der Almwiesen, baumlose Grashänge leuchten im Sonnenschein.

An der traditionellen Basòdinohütte (1.859 m) vorbei geht es hinauf zu den Seen und Stauseen, die den Kanton Tessin mit Strom versorgen. Und je länger man unterwegs ist, desto mehr verschiebt sich die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche: auf Temperatur und Wetter, auf den Rhythmus der Schritte, auf die einfache Schönheit einer wilden Orchidee auf den mageren Bergwiesen, eines vereinzelten Löwenzahns, der sich als tapferer Überlebenskünstler in den Geröllhalden hält. Die Sinne werden geschärft und die Gedanken kommen zur Ruhe.

Keine Frage: neben dem spektakulären Hochgebirge mit Orten, an denen wir Steinböcken und Gämsen häufiger begegnen als anderen Wanderern, Steilflanken und schillernden Bergseen, sind es nicht zuletzt die abwechslungsreichen Unterkünfte, die den besonderen Charakter der Tour ausmachen. Die 2003 eröffnete Capanna Cristallina (2.575 m) gilt als Meilenstein der Alpinarchitektur. Genau auf dem Pass platziert bietet das moderne Holzgebäude ein spektakuläres Panorama auf die Gletscher des Basòdino. Abend für Abend präsentiert sich hier ein unvergleichliches Naturspektakel: Der graue Fels beginnt in der Sonne golden zu leuchten, die umliegenden Gebirgsstöcke färben sich zuerst zartrosa, dann feuerrot. Dann entfachen die letzten Sonnenstrahlen eine wahre Farborgie. Als Foto wäre das wohl Kitsch. In echt ist es ein einmaliges Erlebnis. Über den Höhenweg auf der Sonnenseite des Val Bedretto geht es am letzten Tag mit steten Ausblicken ins Gotthardmassiv weiter. Fremd und unwirklich fühlt sich nach Tagen in der Einsamkeit die Ankunft in Airolo, in der Zivilisation, an.

 

 

Grenzgang beim Lugano Trekking

Eine weitere Alternative für eine nicht so hochalpine, aber nicht weniger schöne Mehrtagestour sind die drei Etappen des Lugano Trekkings. Auf den sanft geschwungenen Hügeln windet sich der Weg über 44,4 Kilometer in einem großen Bogen um die Stadt Lugano und wechselt dabei lustig zwischen Italien und der Schweiz hin und her. Auf den Hütten oberhalb des Luganer Sees verbinden sich das milde Klima der Alpensüdseite mit der rustikalen Ursprünglichkeit einiger der Almen einerseits und elegantem, italienischem Design der modernen Capanna Monte Bar andererseit. Die erste Etappe führt vom malerischen Dorf Brè bis hinauf auf den gleichnamigen Gipfel, von dem aus man die erste großartige Aussicht genießt – natürlich vor allem auf Lugano und den See. Trollblumen, Enziane und Orchideen blühen auf den satten Almwiesen. Immer wieder abgelöst von endlosen Alpenrosenfeldern.

Spätestens als sich auf demMonte Boglia angekommen eine Rundumsicht eröffnet, die jeden Alpenwanderer in Staunen versetzt, weiß man, wofür man die Anstrengung auf sich nimmt. Ein lauer Wind umweht das imposante Gipfelkreuz und nichts stört den Frieden. Rucksack unter den Kopf legen, ein Nickerchen halten, vom Abendessen träumen – gelobt sei die Tiefenentspannung, zu der eine Bergwanderung auf stillenWegen ganz automatisch führt. Entlang der Denti della Vecchia, den »Zähnen«, einem zerklüftetes Massiv mit Gipfeln, die wie schiefe Zähne eines alten Krokodilsgebisses in alle Richtungen ragen, geht das Trekking weiter und führt auf der zweiten Etappe durch schroffen Kalkfels. Überwiegend deckt sich der Weg hier mit dem Sentiero Lago di Lugano, der allerdings mit 130 Kilometern noch deutlich länger ist. In San Lucio laden zwei Hütten und eine Kapelle zu einer Rast ein, bevor man dem Grat entlang der Landesgrenze bis zum Gazzirola (2.115 m) folgt. Der sanft geschwungene Gipfel ist nicht nur der höchste Aussichtspunkt des Lugano Trekkings, sondern auch eine einmalige Aussichtskanzel auf den Golf von Lugano, den Camoghè und in die nahe gelegene Poebene sowie natürlich auf die Alpen.

Und noch immer hat man noch nicht genug gestaunt: Auch auf dem Monte Bar (1.816 m) kann man sich gar nicht satt sehen an der unendlichen Gipfelwelt. Es gibt wahrlich nichts schöneres, als an einem milden Sommerabend vor der schicken Capanna Monte Bar, einem würfelartige Gebäude des Architektenduo Oliviero Piffaretti und Carlo Romano, zu sitzen, den Sternenhimmel zu bewundern, vor dem sich die Silhouetten der umliegenden Gipfel abheben und in der Ferne die Lichter von Lugano flimmern zu sehen. Dazu nippt man vielleicht an einem guten Tessiner Wein, während ein milder Wind aus dem Tal die Wangen streichelt und einen vergessen lässt, dass man sich noch immer im Gebirge befindet. Denn das ist das Tessin: Dolce Vita und Schweizer Bodenständigkeit in einem.

 


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