Tour de Hohenlohe

Auf dem Kocher-Jagst-Trail von Schwäbisch Hall nach Crailsheim

Das Hohenloher Land im Nordosten von Baden-Württemberg zwischen Frankenhöhe und Neckar ist ein wahres Natur- und Wanderparadies inmitten einer geschichts trächtigen Landschaft. Michael Hennemann hat die schönsten Etappen des Kocher-Jagst-Trails erkundet.

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Text/Bilder: Michael Hennemann

Hohenwas bitte? Das Hohenloher Land, im Nordosten von Baden-Württemberg und damit zentral in Süddeutschland gelegen, zählt zu den eher weniger bekannten Landschaften in Deutschland. Dabei ist die Region historisch durchaus bedeutsam und gespickt mit Burgen, Schlössern und alten Dörfern. Mitten hindurch führt der abwechslungsreiche Kocher-Jagst-Trail, mal mit weiten Blicken über die Hohenloher Ebene, mal am Ufer eines der beiden namensgebenden Flüsse entlang oder durch eines der vielen Seitentäler dazwischen.

Durch das Kochertal

Ein Kuckuck ruft von den sanft zum Kocher hin abfallenden, saftig grünen Wiesen. Grillen zirpen, Bienen summen und ein warmer Frühsommerwind trägt den süßen Duft der Apfelbaumblüte vom Wegesrand herüber. Über allem liegt ein blauer Himmel, im auffälligen Farbkontrast dazu steht das leuchtende Gelb des Löwenzahnblütenmeers. Es ist Tag 2 auf dem Kocher-Jagst-Trail. Gestern beim Start war dieses famose Panorama so nicht vorherzusehen. Dauernieselregen empfing mich, als ich das Auto auf dem Park&Ride-Platz am Bahnhof Schwäbisch Hall-Hessental abstellte, wo der Bühlersteig endet und der Kochersteig beginnt, denn der Kocher-Jagst-Trail kombiniert die drei aneinandergrenzenden Fernwanderwege Kochersteig, Jagststeig und Bühlersteig zu einer ausgedehnten Rundtour im Dreieck Schwäbisch-Hall, Blaufelden und Ellwangen. Dank der guten Bahnanbindung (jeder der drei Einzelsteige beginnt bzw. endet in einer Stadt mit Bahnhof) braucht man die 200 Kilometer aber nicht in einem Rutsch zu laufen, und ich habe mir für eine 5-Tages-Tour den Abschnitt von Schwäbisch-Hall Hessental nach Crailsheim ausgesucht. Regen – mal mehr, mal weniger stark – hatte Weinbergschnecken zuhauf auf den Weg gelockt, und stellenweise musste ich auf der ersten Etappe Slalom laufen, um nicht eines der fragilen Schneckenhäuser unter meinen Wanderschuhen zu zertreten. Den Spruch »Es gibt kein

schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung«, mit dem mein Vater mich in der Kindheit zu Radtouren im Regen animieren wollte, finde ich seit jeher dämlich. Aber was soll’s. »Immer nur Schönwetterwandern wäre ja auch irgendwie langweilig«, versuche ich mir die graue Wolkendecke mit einem kaum weniger intelligenten Spruch schön zu reden. Immerhin bleibt man heute dank des Quantensprungs, den Outdoortextilien im letzten Vierteljahrhundert ohne Zweifel gemacht haben, trocken, ohne im eigenen Saft schmoren zu müssen. Die Klosteranlage Großcomburg, die nach einer Wegbiegung in Steinbach plötzlich in den grauen Wolken über mir thront, ist zwar nicht die älteste Kirche in Hohenlohe, aber sicher eines der am schönsten gelegenen Gotteshäuser. Man schrieb das 11. Jahrhundert, als sich die Grafen von Comburg hier hoch oben auf einem Umlaufberg des Kochers einen wehrhaften Herrensitz errichten ließen und 1078 als Benediktinerkloster stifteten. Nach den Comburger Grafen übernahmen die Staufer die Schutzherrschaft, dann kamen die Würzburger Bischöfe. Bis zum 18. Jahrhundert werkelten die Baumeister und hinterließen Zeugnisse der unterschiedlichsten Epochen, bis der wuchtige Gebäudekomplex mit Ringmauer und Wehrtürmen auf sein heutiges Ausmaß angewachsen war. Wenig später erreiche ich Schwäbisch Hall. Die ehemalige Reichsstadt präsentiert sich mit viel altem Gemäuer, verwinkelten Treppen und von Fachwerk gesäumten Gassen als Städtchen wie aus dem Bilderbuch, und selbst im Regeneinheitsgrau kann der Marktplatz beeindrucken. Hoch über dem Mittelpunkt der Stadt thront die gotische Kirche St. Michael, deren mächtige Freitreppe mit insgesamt 54 halbkreisförmigen Stufen im Sommer zur Freilichtbühne wird. Am gegenüberliegenden Kocherufer schlägt das moderne Gebäude der Kunsthalle Würth gekonnt den Bogen in die Gegenwart. Nicht im Bogen, sondern schnurgerade überspannt die imposante Autobahnbrücke der A6 hinter Geislingen in einer Höhe von 185 Metern und auf einer Länge von 1,1 Kilometern das Kochertal. Was die Ingenieure beim Bau der Brücke wirklich geleistet haben, macht mir erst ein Größenvergleich klar, den ich am Abend in der Infomappe auf meinem Zimmer im Gasthof Löwen in Braunsbach entdecke: Das Ulmer Münster besitzt den mit 161 Meter höchsten Kirchturm der Welt und könnte locker unter der Brücke Platz finden, ohne oben anzustoßen!

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 05/2015.

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