Kocher-Jagst-Trail

»Doa gfellds mr«: Durch die Täler und über die Höhenzüge von Jagst und Bühler

Seit 2010 führt der rund 200 Kilometer lange Kocher-Jagst-Trail durch das Hohenloher Land im Nordosten von Baden-Württemberg. Nachdem Michael Hennemann im letzten Jahr bereits die Strecke von Schwäbisch Hall nach Crailsheim auf Kocher- und Jagststeig erkundet hatte, ist in diesem Jahr die südliche Hälfte der Rundtour mit der Fortsetzung des Jagststeigs und dem Bühlersteig an der Reihe.

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Text/Bilder: Michael Hennemann

Viel hat sich nicht verändert in der Großen Kreisstadt Crailsheim. Noch immer dominiert der Rathausturm als höchster seiner Art die mit Türmen reich bestückte Stadtsilhouette. Ihr zu Füßen rauscht unverdrossen die Jagst über ein Wehr und die einladenden Cafés, Bistros und Restaurants rund um Markt- und Schweinemarktplatz sind alle noch an Ort und Stelle. Es ist ja aber auch nur etwa ein Jahr her, dass mich meine Wanderung auf dem nördlichen Abschnitt des Kocher-Jagst-Trails von Schwäbisch Hall nach Crailsheim brachte (siehe trekking-Magazin Ausgabe 5/2015).

Seit 2010 führt der Kocher-Jagst-Trail als 200 Kilometer langer Rundkurs durch das Hohenloher Land im Nordosten von Baden-Württemberg. Er ist unterteilt in die nach den drei Flüssen benannten Wanderabschnitte Kocher-, Jagst- und Bühlersteig, und dank der guten Bahnanbindung ist eine sehr individuelle Streckeneinteilung möglich.

In diesem Jahr ist nun also der südliche Halbkreis der Runde an der Reihe und zusammen mit meiner Frau Franziska soll die Fortsetzung des Jagststeigs von Crailsheim über Fichtenau-Wildenstein und weiter bis nach Ellwangen erkundet werden. Von dort geht es auf dem Bühlersteig über Rosenberg-Willa und Bühlertann nach Schwäbisch Hall-Hessental, wo sowohl der Bühlersteig als auch unsere Wanderung endet.

Mittagspause auf dem Hochsitz

Vom Crailsheimer Bahnhof, an der Strecke zwischen Karlsruhe und Nürnberg gelegen, überqueren wir die Jagst, finden schon in der nächsten Straßenkurve hinter der Brücke die erste gelbe Zuwegmarkierung und erreichen bald den Jagststeig. Dieser bringt uns im Wald hinauf zum Kreckelberg, wo uns ein vielstimmiges Vogelstimmenkonzert aus dem kleinen Vogel- und Tierpark begrüßt. Der Eintritt ist frei und zu sehen gibt es neben Sittichen, Pfauen und Fasanen auch Ziegen, Meerschweinchen und Hasen.

Ein paar Schritte weiter erhebt sich das Türmchen der »Villa«, einem Landhäuschen im italienischen Renaissancestil. Im Garten nebenan steht eine über 100 Jahre alte geologische Pyramide aus in der Region vorkommenden Gesteinsarten, und wer hier an einem Sommersonn- oder Feiertag vorbeikommt, kann im kleinen Biergarten einkehren, der vom Verein Vogelfreunde Villa betrieben wird. Unter der Woche muss man sich »nur« mit dem Panorama über die Dächer von Crailsheim und die bewaldeten Höhenzüge von Frankenhöhe, Ostalb und Burgberg begnügen.

Anschließend führen die Markierungen durch den Wald zur ehemaligen Schönebürg. Der Name erinnert wohl an eine ehemalige keltische Fliehburg. Erhalten sind von der ehemaligen Burganlage nur noch Reste des ursprünglichen Befestigungswalls. Die dunkle Büste von König Karl von Württemberg unter einer 300-jährigen Eiche und Mammutbäumen erinnert an eine ehemalige Wanderhütte mit kleinem Aussichtstürmchen. Die zeigt, dass Vandalismus kein neues Problem der Gegenwart ist. 1923 berichtet der Fränkische Grenzbote: »Die Hütte auf der Schönebürg wurde von Bubenhänden aufgebrochen, das Schloss abgerissen und die Treppe zum Türmchen zerstört. Die Forstverwaltung will von weiterer Unterhaltung der Hütte Abstand nehmen«.

Bis heute sind Rasteinrichtungen entlang des Kocher-Jagst-Trails Mangelware. Das war mir schon auf der ersten Tour im vergangenen Jahr aufgefallen, und auch heute finden wir keine Bank für die Mittagspause. Kurzerhand machen wir aus der Not eine Tugend und erklimmen einen Hochsitz am Wegesrand. Fast wie im Baumhaus: Lunchpakete in luftiger Höhe auspacken und beim Kauen den weiten Blick über die Felder genießen.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 04/2016.

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