Der Spielplatz Europas

Im Berner Oberland wandert man rund um die Interlakener Seen und im Banne von Eiger, Mönch und Jungfrau

Das Berner Oberland gilt als Geburtsort des Alpentourismus. Hier entdeckten Dichter wie Goethe und Philosophen wie Hegel eine erhabene, entrückte und unschuldige Gipfelwelt. Später wurde der Eiger als »Vertikale Arena« und »Spielplatz Europas« unter Bergsteigern weltberühmt und berüchtigt. Aber auch für Wanderungen und Fernwanderungen ist das Berner Oberland ein wahres Paradies mit einer unvergleichlichen Landschaftskulisse.

 

Text: Annika Müller / Abb.: Mike Kaufmann

 

Eine Steilwand, wie sie schroffer und abweisender nicht sein könnte, blitzt durch graueWolken hindurch und wird für einen Moment von der späten Abendsonne in rötliches Licht getaucht. Schnell wird die Kamera gezückt und der vergängliche Moment festgehalten, bevor sich die Wolkendecke wieder vor die Eigernordwand schiebt. Da! Da ist er wieder und jetzt zeigt sich auch die Spitze der Jungfrau, später ein Stück des Mönchs! Die Begeisterung ist groß. Wer ins Berner Oberland kommt, der will wie wir unbedingt das berühmte Gipfel-Dreigestirn sehen. Gelegenheit gibt es dafür genug, denn quasi auf jeder Bergtour rückt es irgendwann nahezu aufdringlich ins Bild. Schon bei der Ankunft am Thunersee wird man in den Bann des wohl wichtigsten Protagonisten des Berner Oberlands gezogen: Der Eiger überragt – gemeinsam mit Jungfrau und Mönch – den tiefblauen See und die umliegenden Berge. Selbst aus der Ferne verspürt man die übermächtige Anziehungskraft des mythischen Bergs, die im vergangenen Jahrhundert hunderte Nordwandkletterer angelockt hat. 65 von ihnen ließen sogar ihr Leben und verliehen dem Eiger den Ruf des menschenfressenden Bergs.

 

Naturparadies bei Interlaken

Doch dem berühmt-berüchtigten Koloss aus Kalkgestein wollen wir uns erst später nähern und erkunden zunächst die Umgebung des Thunersees. Direkt vom Campingplatz »Lazy Rancho«, einem von vielen idyllischen, familienbetriebenen Campingplätzen nahe des Sees, führt uns ein Weg hinab ins Naturschutzgebiet Weissenau. Auf Holzbohlen geht es hier entlang des Seeufers durch die Deltalandschaft der Aare und des Lombaches am oberen Ende des Thunersees. Im Binsenried und Schilf raschelt und zwitschert es, im lichten Wald klopft irgendwo ein Specht. Über 200 Vogelarten wurden hier gezählt, darunter vor allem Wasservögel. Aber auch der Kuckuck, der Kleinspecht und der Eisvogel sind hier zu Hause. Die Aare braust mächtig unter einer Brücke durch. Es ist ein kleines Paradies und das gerade einmal 30 Minuten vom Bahnhof in Interlaken entfernt.

Den Besuch des Naturschutzgebiets Weissenau auf dem Interlakener Bödeli, wie die Einheimischen die Schwemmebene liebevoll nennen, verbinden wir mit einer Wanderung zur Ruine Unspunnen. Die mächtige Ruine liegt auf einem Felssporn, von dem aus man die ganze Region um Interlaken, den Brienzer See und sogar den Beginn des Lauterbrunnentals überblicken kann. Einen würdigen Abschluss findet die Wanderung im Restaurant Heimwehfluh, das mitModelleisenbahn und Sommerrodelbahn ein beliebtes Ausflugsziel ist und das man von Interlaken aus mit der nostalgischen Standseilbahn aus dem Jahr 1906 erreicht. Das Gesicht in die Nachmittagssonne gehalten genießen wir auf der Panoramaterrasse die Aussicht auf die bunten Segel, die über den tiefblauen Thunersee flitzen. Im Hintergrund glitzern die Gletscher wie ein Versprechen. KeinWunder, dass dieser Anblick schon vor über hundert Jahren Touristen aus ganz Europa anlockte.

 

Aussichtsgipfel auf halber Höhe

In unmittelbarer Nähe zu Interlaken und dem Thunersee finden sich zahlreiche hervorragende Aussichtsgipfel an der Nahtstelle zwischen den niedrigeren Gipfeln um die Seen bei Interlaken und den vereisten 4.000ern. Der Kontrast von Fels und Eis zu blumenbestandenen Almwiesen macht zum Beispiel den besonderen Reiz der Wanderung auf die Wätterlatte (2.006 m), die sich zwischen Kiental und Suldtal erhebt, aus. Im Vergleich zu anderen Bergen des Berner Oberlands scheint die Wätterlatte eher eine grasige Geländeerhöhung zu sein, auf der sogar Tannen wachsen. Dennoch ist die Überschreitung durchaus anspruchsvoll. Man kann die Wanderung entweder als Rundkurs oder aber von einem Tal ins andere machen. Wir starten am Pochtenfall auf 1.079 Metern, wo sich das Wasser der Suld in mehreren Steilstufen und durch wild schäumende Strudeltöpfe ins Suldtal stürzt, und enden in der Ortschaft Kiental am unteren Ende des gleichnamigen Tals. Beide Täler erreicht man mit dem Postauto.

Auf der Wanderung hat man stets prächtige Blicke ins grüne Kiental und darüber hinaus zu Blüemlisalp, Ärmighorn und Bachflue. Die Gipfel zu zählen, die sich hier präsentieren, wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Ganz im Südwesten kann man die Diablerets erkennen. Im Osten steht dieWetterhorngruppe, und rechts daneben ragen die schroffen Gipfel von Schreckhorn und Eiger auf. Im Westen indes ragt die Niesenpyramide wuchtig in den Himmel. Auf dem Gipfel dann bieten sich eindrückliche Tiefblicke auf das Thunerseebecken und den Brienzersee.

 

Abb.: Mike Kaufmann

 

Besuch bei den versteinerten Riesen

Der nächste Ausflug führt uns endlich in die unmittelbare Nähe des vielbestaunten Gipfeltrios aus Eiger, Jungfrau und Mönch. Letztere sind vielleicht die berühmtesten der neun 4.000er, die im östlichen Teil der Berner Alpen ihre Gipfel majestätisch in den Himmel recken. Finsteraarhorn, Aletschhorn, Jungfrau, Mönch, Schreckhorn, Grosses Fiescherhorn, Grosses Grünhorn, Lauteraarhorn und Hinteres Fiescherhorn sind ihre Namen – der Eiger indes gehört nicht dazu. Dennoch prägt er die Kulisse des Lauterbrunnentals, das schon bei der Einfahrt durch seine atemberaubende Schönheit betört und J. R. R. Tolkien zur literarischen Schaffung Bruchtals inspirierte. Die Schroffheit der das Tal umrahmenden Steilwände und die Wucht, mit der sich seine 72 Wasserfälle tosend in die Tiefe ergießen, – das ist Landschaftsdramatik pur. Und die erleben wir besonders intensiv auf der Fahrt mit der Wengeneralpbahn, die von Lauterbrunnen über Wengen hinauf zur Kleinen Scheidegg auf 2.061 Meter über Meer fährt und somit die längste durchgehende Zahnradbahn der Welt ist.

An den Fenstern der Bahn drücken wir uns die Nasen platt, während draußen ein atemberaubendes Aussichtskino läuft: Da brechen die Strahlen durch die Wolkendecke und beleuchten die mystischen Tiefen des Lauterbrunnentals wie im Scheinwerferlicht, während dahinter die Felswände tiefschwarz im Schatten liegen. Wie von Zauberhand verschwindet das Licht im Bruchteil einer Sekunde wieder. Dann plötzlich erstrahlen nacheinander die kathedralengleich aufstrebenden Felsbastionen Breithorn, Schilthorn und Gspaltenhorn im Sonnenlicht um die Wette, während wir uns über den Rand des Lauterbrunnentals hinaufschieben.

Die Landschaft, durch die uns die Zahnradbahn ruckelt, ist so perfekt und harmonisch, dass wohl Magie bei ihrer Entstehung im Spiel gewesen sein muss. Und tatsächlich besagt die Legende, dass die Dreiergruppe Jungfrau, Mönch und Eiger versteinerte Riesen seien – Vater (Eiger), Tochter (Jungfrau) und Söhne (davon einer der kleinere Vorberg Schwarzmönch, der andere der Mönch), die zu ihrem eigenen Unglück einen Berggeist beleidigt hatten. Man kann sich gut vorstellen, dass die Bevölkerung die abweisenden, menschenfeindlichen 4.000er-Berge einst mit bedrohlichen Wesen identifizierte, sich Legenden und Mythen um sie ersonnen. Nach der volkstümlichen Deutung soll der Name Eiger von Oger, einem menschenfressenden Riesen also, kommen. Selbst wir fühlen uns heute noch wie in eine Märchenwelt oder in die fiktionale Szenerie des Herr der Ringe versetzt. Tolkien hatte schon recht.

 

Am Fuße des Eigers

Die Kleine Scheidegg, der Bahnhof nahezu direkt am Fuße der Eigernordwand, empfängt uns schließlich mit einer traumhaften Lichtstimmung. Bauschige Cumuluswolken schieben sich gerade über die gewaltige Felsenmauer der 1.800 Meter hohen Nordwand, das Wasserfangbecken etwas unterhalb des Bahnhofs changiert von türkisgrün zu graublau. Die Kleine Scheidegg ist Treffpunkt der Bahnen aus Grindelwald und Lauterbrunnen und vom Bahnhof Interlaken in gerade einmal 1 Stunde und 15 Minuten zu erreichen. Von hier aus kann man auch auf die berühmte Zahnradbahn umsteigen, die hinauf zum Jungfraujoch auf 3.454 Meter über Meer führt. Es ist – noch so ein Rekord – die höchstgelegene Bahnstation Europas, die den Beinamen »Top of Europe« verliehen bekam. Sie war eine Vision des Großindustriellen Adolf Guyer-Zeller, der 1893 die Züge der kurz zuvor eröffneten Bahn zur Kleinen Scheidegg fahren sah. Sechzehn mühevolle Jahre dauerten die Arbeiten an dem 7,3 Kilometer langen Tunnel durch das harte Urgestein von Eiger und Mönch.

Und nun, über hundert Jahre später, wird hier ein neues Jahrhundertprojekt verwirklicht: mit der Eröffnung einer gigantischen, mehr als sechs Kilometer langen Dreiseilumlaufbahn vom Grindelwalder Ortsteil Grund zum Eigergletscher. Zusammen mit der neuen Zehnergondelbahn zwischen Grindelwald und Wengen aufragenden Männlichen, die an derselben Talstation startet, bildet die Bahn unter der Eigernordwand ein V. Dies soll – wieder so ein Superlativ – die längste Umlaufbahn Europas sein.

 

Abb.: Jungfraubahnen

 

Wanderung zum Männlichen

Doch so gemütlich es auch war, für heute sind wir genug gefahren und wollen vom Hochplateau der Kleinen Scheidegg eine der vielen Wanderungen wählen, die hier starten. Eigentlich stand der Eiger Trail auf dem Programm, der von der Station Eigergletscher der Jungfraubahn direkt am Fuß der Eigernordwand entlang bis zur Bahnstation Alpiglen führt und dabei mit einer herrlichen Sicht aufs Wetterhorn und die Grosse Scheidegg glänzt.

Letztlich zieht es uns aber in die Gegenrichtung, denn die Wolken haben sich inzwischen über die Gipfel geschoben und verhüllen drohend die Nordwände, zu denen unsere Tour geführt hätte. Wir streben stattdessen zum Männlichen (2.230 m) und bewegen uns wieder mitten in der Postkarte. Eindrücklich und kontrastreich ist die Aussicht, die sich vom Kamm des lang gezogenen Bergs bietet. Zum Tal von Grindelwald fällt der Berg sanft ab, zur Lauterbrunner Seite hin stürzen schroffe Felspartien steil hinab. Einsam ist man am Gipfelziel nicht: Der Männlichen ist sowohl von Grindelwald als auch von Wengen her bequem per Gondelbahn erreichbar. Durch den Arvengarten geht es zurück zur Kleinen Scheidegg, über die sich schiefergraue Wolken vom Wind getrieben schieben. Bald lässt elektrische Ladung die Luft sirren. Der bequeme Weg verwandelt sich im Sturzregen in eine schlammige Rutschbahn.

Da kommt uns das Hotel Bellevue des Alpes mit seinem Restaurant gerade recht. Wenn der Regen gegen die Fenster prasselt, schmeckt die warme Gemüsesuppe besonders gut.Während wir das Vorbeiziehen der Schlechtwetterfront abwarten, informieren wir uns über die interessante Geschichte des historischen Hotels aus dem Jahr 1840, das bereits in der 5. Generation geführt wird. Es wurde bekannt als Drehort von »The Eiger Sanction«mit Clint Eastwood und »Nordwand«mit Benno Fürmann. Sämtliche Interieurs gehen auf die 1920er Jahre zurück, als hier die Nordwandbezwinger ein- und ausgingen.

Und hier sind wir auch mitten im Schauplatz wichtiger Ereignisse der Alpingeschichte gelandet: Die Nordwand des Eigers galt in den 1930er Jahren als eines der »letzten Probleme der Alpen«, gemeinsam mit den Nordwänden der Grandes Jorasses, Matterhorn und der Großen Zinne. Der riesige Koloss aus Kalkgestein über den grünen Alpweiden von Grindelwald, dessen abweisende Nordseite Heinrich Harrer als Mitglied einer deutschösterreichischen Viererseilschaft im Jahr 1938 als erster bezwang, ist zum Sinnbild geworden für die heroische Selbstbehauptung des Individuums im Kampf mit der furchterregend erhabenen Natur.

»Vertikale Arena« – einen passenderen Begriff hätte der Eigerchronist Daniel Anker für das inzwischen zur öffentlichen Sportstätte gewordene, konkave Halbrund der Nordwand kaum finden können. Jüngere Begehungen wie die Geschwindigkeitsrekorde des Schweizers Ueli Steck im Jahr 2007 und 2008 haben die Mystifizierung weiter fortgeschrieben.

 

Abb.: Christoph Gerber

 

Sitzend zum 4.000er

Am Folgetag wollen wir uns dem Mythos annähern – und das ganz bequem im Sitzen. Dank der Jungfraubahn können wir glatt durch Eiger undMönch hindurchfahren. Von der Haltestelle Eigerwand haben wir Aussicht auf die Wandfluchten aus Kalkstein, die zwar nur stellenweise senkrecht oder überhängend sind, aber insgesamt 70 Grad nach Norden abfallen. Mit dem Fernglas kann man hier Kletterer in der Wand beobachten und ein bisschen schaudern ob der Ereignisse, die sich abgespielt haben. »Die Geschichte der Nordwand ist furchtbarer und großartiger, als Menschen sie je erfinden könnten«, schreibt Harrer in seiner pathosgetränkten Eiger-Bibel »Die Weiße Spinne«. Das Buch aus dem Jahr 1958 wirkte wie ein Magnet auf die Bergsteigerwelt. Zahlreiche rekordsüchtige Kletterer zogen mit dem »Harrer« in der Tasche in die »Mordwand« (so lautete der Titel, den der Boulevard der steilen Felswand gab) des Eiger und nicht selten in den Tod. Die eigentliche Tragödie, die sich derzeit am Eiger abspielt und die weit über die Einzelschicksale der Bergsteiger hinausgeht, findet jedoch kaum Beachtung: das ständige Abschmelzen des Gletschers.

Von der Haltestelle Eigergletscher in 2.320 Metern Höhe blickt man hinauf auf das ewige Eis, das dem Bahnhof den Namen gab und das sich bereits weit zurückgezogen hat. Die Grindelwalder lebten bis 1914 neben der Landwirtschaft vom Eisexport. Die Zunge des Unteren Grindelwaldgletschers floss damals bis an den Ortsrand. Seither hat sie sich mehr als sechs Kilometer ins Gebirge zurückgezogen.

Von der Haltestelle Eismeer blicken wir dann auf ein atemberaubendes Spaltengewirr der von den Viertausendern Mönch und Jungfrau hinabhängenden Gletscher, bevor wir schließlich vom Jungfraujoch das Gletschereis endlich auch unter den Stiefeln spüren. Drei Eisfelder verlaufen hier, der Große Aletschfirn, das Ewigschneefeld, der Jungfraufirn, die sich am Konkordiaplatz zum großen Aletschgletscher, dem größten Eisstrom der Alpen, vereinen. Wir gehen staunend ob der weißen Pracht auf einer markierten Trasse bis zur Mönchsjochhütte und wieder zurück. Auf gleichsam bequeme wie historische Art haben wir so die erste Berührung mit dem Hochgebirge gemacht. Alle weiteren Wanderungen hier oben bleiben Alpinisten überlassen.

 

 

Trekkingtouren mit Hegel

Wer ein bisschen länger unterwegs sein möchte, der kann in einer schönen zweitägigen Trekkingtour von Interlaken zur Großen Scheidegg wandern. Auch hier bewegt man sich stets im Bann der Berner Riesen, die sich scheinbar zum Greifen nahe hinter Interlaken in die Höhe recken. Wer auf halber Strecke im Berghaus Männdlenen übernachtet, kommt in den Genuss, die Gipfelpracht von den ersten Sonnenstrahlen beleuchtet zu sehen. Oderman schafft es gar, bei Sonnenaufgang schon beim Bachalpsee zu sein: Die Spiegelung des mächtigen Wetterhorns lässt Fotografenherzen höherhüpfen.

An der Großen Scheidegg hat man Anschluss an den Bärentrek, der die Berner Alpen auf der nördlichen Seite in sieben bis neun Tagen von Ost nach West, von Meiringen nach Gsteig durchquert. Auch der junge Philosoph Hegel wanderte hier 1796. Seine Route führte ihn mit dem Schiff über den Thunersee, über die Große und die Kleine Scheidegg und weiter bis zum Vierwaldstättersee. Das Dreigestirn machte auf den griesgrämigen Philosophen jedoch »nicht den Eindruck«.

 

Mürren – Adlernest am Hang

Ein Schmankerl müssen wir noch mitnehmen: Mürren hängt wie ein Adlerhorst am Fuße des Schilthorns und oberhalb der Steilwand, die das Trogtal von Lauterbrunnen begrenzt. Das Dorf auf 1.650 Metern ist mit einer Seilbahn oder aber über den kurzweiligen und aussichtsreichenWeg von Lauterbrunnen aus zu erreichen. Insider meinen, dass hier der Blick auf Eiger,Mönch und Jungfrau am schönsten sei. Eine anspruchsvolle Wanderung mit 1.300 zu überwindenden Höhenmetern führt über den sogenannten Roten Härd hinauf zum Schilthorn. Der 2.970 Meter hohe Gipfel ist zu weltweiter Berühmtheit gekommen, da hier 1969 einer der erfolgreichsten James-Bond-Filme »Im Geheimdienst Ihrer Majestät« gedreht wurde. Das Drehrestaurant auf dem Gipfel hat seinen Filmnamen »Piz Gloria« behalten. Es bietet bei klarer Sicht Ausblicke bis auf den Mont Blanc, zur Schynige Platte, tief ins Lauterbrunnental mit den Mäandern der Weissen Lütschine, und natürlich – wie könnte es anders sein – auf das Dreigestirn. Kein schlechter Ort, um vom Filmschurken Blofeld gefangengehalten zu werden. Möchtegernagenten können ihren Mut auf dem ausgesetzten, wackeligen Thrill Walk am Schilthorn testen.

Doch den ultimativen Adrenalinstoß holen wir uns auf dem im Jahr 2008 eröffneten Klettersteig Mürrenfluhe, der direkt unterhalb des Dorfes in schwindelnder Höhe über dem grünen Talboden durch die Steilwand führt. Sogar mitten durch einen (vor allem im Frühsommer) gischtenden Wasserfall und über eine 80 Meter lange Hängebrücke hangeln wir uns auf dem klettertechnisch nicht sehr anspruchsvollen, aber dafür in Sachen Landschaftsgenuss ganz oben rangierenden Eisenweg. Ausblicke auf Eiger und Jungfrau sind hier nur die Garnierung eines unvergesslichen Gesamterlebnisses. Das Berner Oberland ist eben das, als was es der Engländer und Erstbesteiger zahlreicher namhafter Gipfel Leslie Stephen 1871 bezeichnete: »The Playground of Europe«, der Spielplatz Europas.

 


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