Nationalpark Jotunheimen – Unterwegs im Heim der Riesen

Der Nationalpark Jotunheimen in Südnorwegen gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Regionen Skandinaviens – und das zu Recht! Schroffe Berge und grüne Täler bieten jedem Outdoorbegeisterten zahlreiche Tourenmöglichkeiten. Florian Marks stellt von der Tageswanderung bis hin zur mehrwöchigen Trekkingtour einige Möglichkeiten vor.

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Noch immer denke ich daran, immer wieder: Die Luft ist klar und der Blick wandert über ein Gebiet voll grauer, schroffer Berggipfel, die in den weiten Himmel ragen. Ein Grat reiht sich an den nächsten, soweit das Auge reicht. Es ist Sommer, doch bedecken noch immer Schneefelder Teile der Berge. Breit fallen die Flanken in die Tiefe und schließen einen Bergsee ein, der sich glasklar über 16 Kilometer in die Länge zieht. 400 Meter darüber liegt ein weiterer See. Beide sind nur durch ein schmales Felsband voneinander getrennt. Dort entlang führt der Wanderweg.

Viele Norweger wissen bei dieser Szenerie gleich, worum es sich handelt. Der hier beschriebene Bessegen-Grat ist der wohl berühmteste Wanderweg ganz Norwegens. Doch in Jotunheimen (was im Norwegischen »Heim der Riesen« bedeutet) gibt es zahlreiche eindrucksvolle Bergtouren. Das alpine Gebiet versammelt mit Abstand die meisten Gipfel Nordeuropas mit über 2.000 Höhenmetern. Spektakuläre Ausblicke sind damit für mehr als nur einen Urlaub garantiert. Denn auch abseits der bekannten markierten Routen ist nahezu jeder Berg im Sommer ohne spezielle Sicherungsausrüstung zu besteigen. Aus über 200 dieser höchsten Gipfel kann man je nach Kondition und Trittsicherheit auswählen.

Wunderbares Norwegen

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Die glasklaren Bergseen laden immer wieder zur Rast ein.

Ich habe Jotunheimen in den letzten Jahren mehrmals besucht. Immer war es anders und ganz neu und es war trotzdem immer auch dieses unendlich schöne Jotunheimen, das ich kannte. Als ich die Berge das letzte Mal gesehen habe, kam ich nach zwei Wochen Wanderung an seiner südlichen Grenze an. Es lagen noch einige Tage zwischen mir und dem so vertrauten Gebiet und doch fühlte ich mich schon wie an einem Ort, der in einem Teil meines Herzens Heimat ist.

Ich habe mittlerweile mit vielen gesprochen, denen es ähnlich geht, wenn sie an Jotunheimen denken. Es ist bei jedem Gipfel ein neues, erhabenes Gefühl, oben angelangt zu sein. Der Blick, den man dann auf die Landschaft hat, bleibt haften. Dabei ist es weniger die Schwierigkeit, die die Gipfelbesteigungen ausmacht, auch nicht die Höhe. Es ist zum Teil die Einsamkeit und Wildheit, die sich hier trotz zahlreicher Wanderer noch immer finden lässt und die Norwegen von den Alpen unterscheidet. Es ist, wenn man auf einem der Gipfel steht, zum großen Teil auch das Gefühl, auf eine ganze eigene Welt zu schauen, deren Teil man in diesem Moment ist.

Neben diesen zahlreichen Bergen und Gletschern weist Jotunheimen eine vielfältige und reiche Flora auf. Besonders die Täler sind grün bewachsen und lassen kaum vermuten, dass man sich in der größten Gebirgsregion Skandinaviens befindet. Am Nordufer des langen Gjende-Sees im Osten des Nationalparks kann man die höchste Baumgrenze Nordeuropas finden, die hier an die 1.100 Höhenmeter reicht. Meist jedoch befindet man sich oberhalb der letzten Bäume. Dort sind bis hinauf auf die höchsten Berge noch zahlreiche Blumen zu finden. Der Gletscher-Hahnenfuß hält in Jotunheimen den Höhenrekord für ganz Skandinavien und blüht bis in 2.370 Meter über dem Meer. Ebenso markant ist der violette Steinbrech, der den Wanderer auch bis weit hinauf begleitet. Den Blick fürs Detail sollte man sich also trotz der imposanten Szenerie bewahren. Denn es ist auch gerade dieses Zusammenspiel von schroffer Bergwelt und malerisch schönen und idyllischen Orten, das Jotunheimen auszeichnet.

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Die felsige Landschaft lockt zu Abenteuern – manchmal auch nur zu den kleinsten.

Meine erste Reise führte mich drei Wochen durch den Nationalpark. Noch immer erinnere ich mich an fast jedes der Täler, jeden Höhenzug. Ich bereue bis heute nicht, damals auf kaum einem Gipfel gewesen zu sein. So beeindruckend die Bergtouren in Jotunheimen sind, so wohltuend ist es, sich einfach zwischen den Riesen treiben zu lassen und von einem Ort zum nächsten zu reisen. An manche komme ich bei jedem Besuch immer wieder gerne. Das Gesicht verzieht sich zu einem geheimen Lächeln, wenn man die ersten bekannten Felsen und Bäume wieder sieht. Ebenso lacht es aus einem von innen heraus. Die markanten Orte, an die man sich so schnell wiedererinnert, sind zahlreich in Jotunheimen. Es scheint, als ob alles hier seine eigene Geschichte hat, die es erzählt und in die man sich selbst auch einschreibt.

Nationalpark Jotunheimen

Seit 1980 wird diese besondere Landschaft als Nationalpark geschützt. Weitere anliegende Gebiete folgten in den Jahren darauf. Ebenso wie man sich um den Erhalt der Natur bemüht, wird viel dafür getan, diese erlebbar zu machen. Schon 1871 wurde die Gjendebu-Hütte erbaut, die älteste betriebene Hütte des norwegischen Touristenvereins (DNT). Heute ist Jotunheimen eine der erschlossensten Regionen Norwegens. So kommt man durch die zahlreichen Hütten im gesamten Gebiet auch ohne Zelt aus. Die Unterkünfte liegen im Tagesabstand voneinander entfernt und sind meist bewirtschaftet. Wer es ruhiger mag, findet jedoch fast überall auch einen Platz für sein Zelt, das mit ausreichend Abstand von den Hütten im gesamten Gebiet aufgestellt werden darf…

Text/Bilder: Florian Marks

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 03/2013.

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Daten & Fakten

  • Anreise: Es gibt in Jotunheimen hauptsächlich drei Einstiegsvarianten. Von Oslo aus führt die beste Verbindung per Bus oder Auto nach Gjendesheim im Südosten oder Eidsbugarden über Tyin im Süden. Für den Einstieg im Westen des Nationalparks empfiehlt sich Turtagrø, das jedoch mit dem Bus weniger leicht erreichbar ist und sich eher für Autofahrer empfiehlt. Von jedem dieser Ausgangspunkte ist man direkt in den Bergen des Gebiets und erreicht schon nach wenigen Kilometern die Nationalparkgrenze.
  • Charakter: Alpines Gebiet mit vielen Berg- touren und schönen Tälern.
  • Beste Reisezeit: Mitte Juli bis Mitte August
  • Wetter: Wechselhaft
  • Übernachtungsmöglichkeiten: Hütten im Tagesabstand. Zelten erlaubt.
  • Infos: www.deutsch.turistforeningen.no; www.visitnorway.com/de
  • Literatur: »Norwegen Süd« von Bernhard Pollmann (Bergverlag Rother; ISBN 978-3-7633-4002-6; 12,90 Euro); »Norwegen: Jotunheimen« von Tonia Körner (Conrad-Stein-Verlag; ISBN 978-3-86686-082-7; 12,90Euro).
  • Karten: Für Wanderungen: Fjellkart CK45 (Maßstab 1:100.000 mit 1:50.000 Details); für Bergtouren: Tourkart Jotunheimen West (TK60) und Ost (TK61) im Maßstab 1:50.000.
  • Markierungen: Durch ein rotes T oder Steinmännchen (kleine, zu einer Pyramide gestapelte Steinhaufen).

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