Ardèche: Frankreichs wilder Süden

Der Pont d’Arc, der natürliche Triumphbogen bei Vallon, gilt als das steinerne Wahrzeichen der Region. Landschaftlich umwerfende Touren ohne jeglichen alpinen Rummel, eine Karstlandschaft mit den größten Höhlen Europas unter der Erde und vulkanischen Hügeln und mächtigen Gipfeln oberhalb der zahlreichen Flussläufe, Lavendel- und Sonnenblumenfelder bis zum Horizont und malerische Ortschaften, die das Savoir vivre mit Leidenschaft zelebrieren – Norbert Eisele-Hein präsentiert, wie schön das wilde Südfrankreich sein kann.

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66 Meter hoch spannt der von der Natur geschaffene, steinerne Triumphbogen über die Ardéche. Das kleine Flüsslein hat im Laufe von Jahrmillionen ganze Arbeit geleistet, sich geduldig durch die massive Felswand gefräst und eine spektakuläre Canyon-Landschaft hinterlassen. Das steinerne Tor bei Vallon Pont d’Arc ist zum Synonym für die gesamte Region geworden, Bilder davon gehören wie der Eiffelturm in jedes französische Schulbuch.

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Viele alte Bauernhäuser wurden liebevoll restauriert

Für Kanuten ist die Ardèche das höchste der Gefühle. Selbst wenn man im August an manchen Tagen vor lauter Booten fast kein Wasser mehr sieht, die Tour bleibt ein echtes Abenteuer. Aber auch Wanderer sollten es auf keinen Fall versäumen, einen Extratag für eine Kanutour von Vallon-Pont-d’Arc bis St.-Martin-d’Ardèche einzuplanen. Die Karstlandschaft ist obendrein berühmt für ihre zahlreichen Höhlensysteme. In der Unterwelt der Aven d’Orgnac, einer gigantischen, drei Hektar großen Tropfsteihöhle, warten bizarre Säle mit bis zu 50 Metern Höhe. Ein Muss ist auch der Besuch des Chauvet Museums. In der erst 1994 bei Vallon entdeckten Chauvet-Grotte verewigte der Cro-Magnon-Mensch schon 35.000 Jahren seine Erlebnisse an den Höhlenwänden. Die Grotte wird als »Sixtinische Kapelle der Urzeit« zu Recht gelobt. Natürlich gibt es auch jede Menge anthropologisch weniger interessante Höhlen, wo es sich trotz oder gerade deswegen wunderbar »spelunkeln« lässt.

Kein Wunder also – bei so einer Häufung von Superlativen –, dass der Rest der Ardèche häufig etwas zu kurz kommt. Darum aufgepasst: Die Ardèche ist eines der acht Départements der Region Rhône-Alpes. Ein einsamer Landstrich, hart an der Grenze zu den Cevennen, sozusagen das Bindeglied vom kontinentalen Norden zur mediterranen Provence. Eine Landschaft wie geschaffen für die Werbung diverser Mineralwasser und tolle Trekkingtouren.

Grenzenlose Weite – kein alpiner Rummel

Im dünn besiedelten Norden, der so genannten »L’Ardèche Verte«, scheint die Landschaft tatsächlich einem Gedichtband mit sattgrünem Umschlag entsprungen. Steinbrücken aus der Römerzeit führen über wilde Bachläufe. Opas und Enkel stehen seelenruhig mit ihren Angeln an der Brüstung und stellen den zahlreichen Forellen nach. Die romanische Kirche bei Veyrines stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die Wanderung von dort zum 1.146 hohen Chiret Blanc wird von Wildschwein-, Reh- und Fuchsspuren begleitet. Oben genießt man ein 360-Grad-Panorama und ziemlich außer Atem die Erkenntnis, dass die grüne Ardèche ein hinterlistiges Relief birgt. Der erste Eindruck ist lieblich, aber der stete Tropfen höhlt den Stein. Hier wird mit jedem Schritt zusätzlich Höhe gemacht!

Das werden auch die jährlich 15.000 Teilnehmer der »L’Ardèchoise«, einem der größten Radrennen der Welt, spüren. Dabei durchqueren Hobbyfahrer und Profis je nach Leistungs- und Leidensbereitschaft in drei Tagen die gesamte Ardèche.

Doch nur kein Stress! Sehen und staunen und zum Beispiel im malerischen Lamastre unter schattigen Platanen eine kräftige Dosis savoir vivre einsaugen. Das geht so: Aus der Epicérie Baguette, Oliven, Ziegenkäse und Wildpastete holen und die alten Männern beim Petanque beobachten. Das ist nicht nur so eine holprige Kugelschubserei, wie man es mal aus Langeweile im Urlaub am Strand spielt. Das ist Passion und Präzision. Es gibt sogar eine Art Bundesliga für das Spiel mit den Metallkugeln. Meist wirkt das Spiel meditativ, aber wehe, die Entscheidung, welche Kugel dem »cochonnet«, dem Schweinchen am nächsten kommt, ist umstritten, dann entsteht ein filmreifes Palaver mit gestenreichen Emotionen. Dann werden die Maßbänder gezückt und es geht um Millimeter.

Gipfel in allen Formen, von Vulkanen geprägt

Weiter südlich in der zentralen Ardèche tauchen markantere Berge auf. Die Straße windet sich wie ein glühendes, metallenes Band gen Himmel. Endstation ist knapp unter dem Mt. Mezenc, dem mit 1.753 m höchsten Berg der Ardèche. Die Gegend ist berühmt für ihre »Sucs«. Das sind kleine, massive Felsgipfel vulkanischen Ursprungs, die unvermittelt schier aus der grünen Decke hervorplatzen. »Le Gerbier de Jonc«, direkt an der D378 ist mit seinen 1.551 m ein besonders plakativer Zuckerhut. Der Berg markiert nicht nur die Wasserscheide zwischen Atlantik und dem Mittelmeer. In seinem Innern entspringt auch die Loire. Somit herrscht hier ebenfalls etwas touristischer Rummel. Allerdings nicht zum Nachteil für hungrige Touristen: In den zahlreichen Marktbuden locken luftgetrocknete Würste, Steinpilze und leckere Käsesorten. Zudem gibt es sämtliche aus Esskastanien herstellbare Produkte, u.a. Gebäck, Mousse und sogar Kastanienbier! Die Ardèche ist einer der größten Verarbeiter von Kastanienprodukten.

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Trekker auf der »steinalten« Bogenbrücke von Thines

Südwestlich schließt sich die Ardèche Méridionale dem Tanargue-Gebirge an. Dieses ist an Wildheit und Einsamkeit kaum zu überbieten. Und auch hier bieten die Gîtes d’étapes erstklassige Anlaufstationen. Strukturell eine Mischung aus Alpenvereinshütte und Jugendherberge, sind diese häufig liebevoll renovierte Gehöfte mit unglaublichem Charme. Viele Alt-68er-Kommunarden haben sich damit einen grünen Lebenstraum verwirklicht. Dort lässt es sich wohl fühlen und meist auch genial schlemmen –Obst, Gemüse und Fleisch kommen fast immer aus eigenem biologischen Anbau oder Aufzucht.

 

 

Daten & Fakten

  • Anreise
    Mit dem Auto: Rhônetal-Autobahn, BAB 5 Karlsruhe–Freiburg, Mühlhouse, Besancon, Lyon, diverse Abfahrten: Valence, Montelimar oder über Lindau, Zürich, Bern, Lausanne, Genf, Annecy, Chambéry, Grenoble nach Valence oder Montelimar. Mit der Bahn: Mit Eurocity/Regionalexpress über Straßburg, Lyon nach Valence, Montelimar, weiter mit Bussen zu den Zielorten.
  • Reisezeit
    Am besten zwischen Mitte Mai bis Ende Juni und von Mitte September bis Mitte Oktober.
  • Übernachtung
    Neben kleineren Hotels bieten die zahlreichen Gîtes d’étapes und Maison d’Hôtes günstige und interessante Angebote, mit fast immer hervorragender Küche! Tipps: La Chastanha, St. Symphorien den Mahun (www.chastanha.com) – polyglott, familiär und lecker! Hotel-Restaurant »Le Provencal«, Le Cheylard (www.hotelrestaurantleprovencal.com) – unbedingt mit HP buchen, wundervolle Menüs! Vallon-Pont-d’Arc, L’Ardechois (www.ardechois-camping.com) – mehrfach prämiertes Camping-Paradies mit Bungalows, direkt am Steinbogen, tolle Pizza!
  • Veranstalter
    In Vallon gibt es unzählige Bootsverleiher! www. escapade-loisirs.com bietet auch geführte Radtouren, Canyoning, Rafting, Kletterungen und Höhlenwanderungen zu moderaten Preisen an.
  • Karten
    IGN D07 Ardèche, 1:125.000 – Gesamtüberblick; IGN 2939 OT Gorges de L’Ardèche, Topo-Karte 1:25.000, für eine Kanutour auf der Ardèche; Kanu- und Wanderkarte Ardèche, 1:50.000 (Pollner Verlag; 978-3-8996-1095-6; 12,90 Euro).
  • Links
    www.ardeche-guide.com
  • Literatur
    Die meisten Reiseführer thematisieren die Ardèche nur am Südrand, also rings um Vallon. Das komplette Département beinhalten »Ardèche und Cevennen« von Maria Weinhold und Thomas Schmitt (Schiler Verlag; ISBN 978-3-8993-0247-9; 24,80 Euro) sowie »DuMont direkt: Ardèche, Tarn, Cevennen« von Gabriele Kalmbach (Dumont Reiseverlag; ISBN 978-3-7701-9524-4; 9,99 Euro). Weitere Bücher: »Provence zwischen Ardèche und Verdonschlucht« von Thomas Rettsatt (Bergverlag Rother; ISBN 978-3-7633-4155-9; 14,90 Euro); »Cevennen – Ardèche« von Bettina Forst (Bergverlag Rother; ISBN 978-3-7633-4323-2; 14,90 Euro). Die Bücher aus dem Bergverlag rother können bezogen werden über den Onlineshop des trekking-Magazins

 Text und Bilder: Norbert Eisele-Hein

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 04/2013.

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