Wandern am Königssee in den Berchtesgadener Alpen

In das schöne Berchtesgadener Land hat es Nordlicht Björn Nehrhoff von Holderberg verschlagen. Dort machte er dem Königssee seine Aufwartung und kam mit einem Rucksack voller Eindrücken zurück.

Ein Fjord mitten in den Berchtsgardener Alpen – so könnte man den Königssee bezeichnen. Und tatsächlich wurde er, ebenso wie seine Ebenbilder in Norwegen, von bis zu 900 Meter dicken Eismassen aus dem Fels geschürft. Nach dem Abschmelzen blieb eine tiefe Rinne zurück, die sich mit Wasser und Schotter gefüllt hat. Eine Runde um den See rangiert unter den Klassikern der Mehrtageswanderungen in Deutschland. Vielleicht ist sie landschaftlich sogar die schönste von allen.

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Vom riesigen und nicht ganz billigen Touristenparkplatz der Ortschaft Königssee aus starten wir unsere Tour im Uhrzeigersinn. Da es wegen der steilen Wände keine durchgehenden Wege am Ufer des Sees gibt, müssen wir irgendwie den Sattel, der die östliche Schulter des Sees bildet, hinaufkommen. Dafür könnten wir die Jenner Seilbahn nutzen, entscheiden uns aber dafür, zu Fuß aufzusteigen. Unser Weg führt uns zunächst durch die Außenbezirke von Schönau, ein echtes Dorfidyll, bei dem Holz die gemütliche bajuwarische Seele widerspiegelt. Die Stirnseiten der Häuser sind großflächig mit dem natürlichen Baustoff verblendet, wenn die Gebäude nicht gänzlich aus Holz errichtet wurden. Aber auch die Balkone, an denen üppig die Geranien in Blumenkästen wuchern, die hölzernen Fensterläden oder die vielen Kleinigkeiten am Wegesrand wie Schnitzereien und Tröge sprechen eine deutliche Sprache.

Nach ein paar hundert Metern verschwindet der Weg im dichten Tann. Der Geruch von Fichtennadeln erfüllt die Luft. Ein Zeichen, dass die Wanderung nun wirklich beginnt. Begleitet von zahlreichen anderen Touristen geht es zunächst sanft, aber stetig aufwärts. Ab und an gibt der Waldmantel den Blick frei auf den nun immer kleiner werdenden, türkisfarbenen See unter uns. Dann trifft der Waldweg auf eine Fahrstraße, der wir weiter nach oben folgen. Vorbei an der Königsbachalmhütte, erreichen wir die ersten grünen Almwiesen. Mountainbiker schießen uns entgegen oder schnaufen, nur wenig schneller als wir, neben uns den Berg hinauf. Ganz allein ist man auf diesem Abschnitt der Tour wegen des einfachen Wegs nicht.

Nach dem letzten Anstieg des Tages landen wir auf der Gotzenalm und werden für unsere Mühen entlohnt. Die grünen Wiesen bilden die Manege für Berge wie die Funtenseentauern, das Teufelshorn und den Kahlersberg, die im Halbrund um die Alm ihre ganze Schönheit ins rechte Bild setzen. Doch bevor wir einkehren, können wir uns einen Abstecher zum Aussichtspunkt Feuerpalfen nicht verkneifen. Hier blicken wir mehr als 1.000 Meter tief hinunter zum See. Gegenüber liegt majestätisch der Gipfel des Watzmanns. Wir staunen über die endlose Ostwand, die mit einer Höhe von 1.800 Metern die höchste Wand der Ostalpen darstellt. Wenig später sitzen wir im Gastraum der urgemütlichen Gotzenalmhütte und sehen, wie die letzten Sonnenstrahlen die Gipfel der Berge in rötlichen Tönen erstrahlen lassen, während die Alm selbst schon lange im Schatten liegt.

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Der Ausblick vom Viehkogel sucht in Deutschland seinesgleichen. Man steht auf seinem Gipfel schon mit einem Bein in Österreich, das andere befindet sich gerade noch auf bayerischem Boden.

 

Der höchste deutsche Wasserfall

Am nächsten Morgen gebärdet sich der Weg hinter der Gotzenalm deutlich wilder. Das ist ganz nach unserem Geschmack. Wir befinden uns nun in der Kernzone des Nationalparks Berchtesgaden. Der 1978 gegründete Park schützt 210 Quadratkilometer alpine Landschaft und damit auch seine Wappentiere, den Steinadler und den Steinbock, sowie eine einzigartige Gebirgsflora. In der Kernzone darf die Natur schalten und walten, wie sie will. So sehen wir immer wieder Fichtenbestände, die abgestorben sind, was sie dem Borkenkäfer zu verdanken haben. Hier in der Kernzone des Parks werden die Bäume aber nicht gefällt und aus dem Wald geschafft, sondern ihrem natürlichen Schicksal überlassen. Wer den aufgeräumten deutschen Wald gewohnt ist, wird sich zunächst über die Baumleichen am Wegesrand wundern. Doch sollte man wissen, dass abgestorbene Fichten neuen Raum für andere Arten bieten.

Über den Reitweg wandern wir nach Süden. Der Weg leitet uns direkt in einen V-förmigen Trichter unterhalb der Laafeldwand, an dessen Kante entlang es sanft abwärts geht. Spektakuläre Tiefblicke lenken immer wieder vom Weg ab, ehe wir am Trichtermund rechts abbiegen und über die verfallene Mitterhüttenalm bummeln. Es dauert nicht lange und wir passieren die ebenfalls schon lange aufgegebene Landtal­alm, von der man noch einige Grundmauern am Wegesrand erkennen kann. Der Rest wurde von der Vegetation überwuchert. Anschließend wandern wir unterhalb der Hanauerlaubwand weiter.

Während links von uns die Felsen in die Höhe schießen, tritt der Wald auf der Talseite stellenweise zurück und gibt die Sicht auf eine Landschaft frei, bei der wir uns erneut vergewissern müssen, nicht an einem norwegischen Fjord zu stehen. Tief unter uns liegt der kleine Bruder des Königssees. Der Obersee entstand sehr wahrscheinlich während der Eiszeit, als ein Gletscher an seinem Fuße Abraum auftürmte und der Moränenwall die Seen trennte. Gleichzeitig hören wir das Rauschen des Röthbachfalls, der sich hier über 400 Meter in die Tiefe stürzt. Der höchste deutsche Wasserfall macht die Norwegenillusion perfekt. Im Hintergrund sehen wir den Königssee aufblitzen …

Text und Bilder: Björn Nehrhoff von Holderberg

Daten und Fakten

  • Parken
  • Schönau, Königssee: Parken ist wirklich fast nur auf den ausgewiesenen Flächen möglich. Für die Parkautomaten sollte man genügend Kleingeld dabei haben.
  • Übernachten
  • Übernachten ist im Nationalpark nur in den bewirtschafteten Hütten erlaubt. An Wochenenden und in der Hochsaison im Sommer empfiehlt sich eine Vorausbuchung der Schlafplätze. Es gibt außer auf der Wasseralm die Wahl zwischen Bettenlager und Mehrbettzimmer mit Stockbetten. Es wird hier auch einfaches Essen serviert.
  • Schwierigkeiten
  • Die ausgewählte Route weist keine besonderen Schwierigkeiten auf. Der Wanderer sollte allerdings trittfest sein und etwas Kondition mitbringen. Wie bei allen alpinen Unternehmungen, sollte man die Wetterlage im Auge zu behalten. An den steilen Wänden sollte man sich einer potentiellen Steinschlaggefahr bewusst sein.
  • Alternative Wege
  • Im Nationalpark umfasst das offizielle Wegenetz etwa 230 km Wege und Steige. Die Wanderung kann daher vielfältig verändert werden. Anstatt zum See abzusteigen, kann man über den Watzmann (Klettersteig, nur für Erfahrene) oder das Wimmbachtal die Wanderung verlängern. Darüber hinaus ist ein Besuch auf der österreichischen Seite im Steinernen Meer bei gutem Wetter eine tolle Erfahrung.
  • Besonderheiten
  • Man befindet sich, auch wenn man (am ersten Tag) das Gefühl hat, in einer Kulturlandschaft mit Almen und Fichtenforst unterwegs zu sein, fast auf der gesamten Wanderung im einzigen deutschen Alpennationalpark und muss sich daher an verschärfte Regeln bezüglich des Naturschutzes halten.
  • Beste Zeit
  • Ab dem Sommer werden die Wege für Normalwanderer begehbar. Im Herbst bietet sich auf der Route für wenige Tage eine grandiose Farbenpracht. Dafür sorgen die Laubbäume in den unteren Bereichen und die Lärchen in den höheren Regionen.
  • Links
  • www.gotzenalm.de; www.kaerlingerhaus.de; www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 03/2013.

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