Radtrekking auf dem Oder-Neiße-Radweg

Deutschlands östlichster Radweg kommt praktisch ohne Steigungen aus. Auf weiten Strecken schnurren die Reifen fernab von Straßen über den glatt asphaltierten Deich und links und rechts halten die etwa 630 Kilometer vom tschechischen Isergebirge bis zur Ostseeinsel Usedom abwechslungsreiche Landschaftsbilder und viele kulturelle Sehenswürdigkeiten bereit. Michael Hennemann hat die Strecke abgefahren.

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Ständige Begleiter: Die schwarz-rot-goldenen Grenzpfosten.

In engen Windungen sprudelt die Neiße das Isergebirge hinunter. Die einsamen Straßen durch die bergige Landschaft tun sich schwer, den ungestümen Kapriolen des munteren Bachs zu folgen, und auf den ersten Kilometern bekommt man den Flusslauf nur gelegentlich zu Gesicht.

Gestern bin ich mit dem Rad im Gepäck in Tschechien angekommen. Den längsten Teil der Zugfahrt nahm dabei die Anreise von Norddeutschland nach Zittau in Anspruch. Von dort war es mit dem Nahverkehrszug dann nur noch ein Katzensprung hinüber nach Nordböhmen.

Durch das Isergebirge

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Für den Weg nach Usedom hat man die Wahl zwischen zwei Routen.

Genaugenommen beginnt der Oder-Neiße-Radweg zwar an der Neißequelle im Weiler Nová Ves, aber Liberec, mit seinem Rathaus im Stil der Neorenaissance und den noblen Bürgerhäusern am Marktplatz, ist ohne Zweifel eine Reise wert – und wenn man schon mal da ist, kann die Radtour doch gleich hier beginnen. Die Fahrt hinauf zur Neißequelle fordert die Waden allerdings mit ein paar kräftigen Anstiegen heraus. In Jablonec nad Nisou, dem Zentrum der böhmischen Glaskunst, verschnaufe ich bei einer Tasse Kaffee unter der modern-funktionalistischen Fassade des Neuen Rathaus von der Kletterpartie.

Ein paar Höhenmeter weiter ist es dann geschafft: Ich stehe am Eingang zur Neißequelle und inspiziere die erste offizielle Oder-Neiße-Radweg-Markierung. Ein paar Meter weiter im Wald findet sich ein Gedenkstein mit der Aufschrift »Pramen Nisy« und ein paar Sitzbänke laden zur Rast ein. Nun geht es durch abgeschiedene Dörfer in Richtung Dreiländereck von Tschechien, Polen und Deutschland. Kleine Tante-Emma-Läden ziehen am Straßenrand vorüber. Auf der Sitzbank im jeweiligen Ortskern versammeln sich die Menschen zum Dorfklatsch und winken den vorbeiziehenden Radfahrern freudig hinterher.

Bei Chrastava befreit sich die Neiße aus dem engen Korsett der Berge und erreicht das Zittauer Becken. Von nun an hat es der Radweg leichter, dem Flusslauf auf der Spur zu bleiben und verläuft komfortabel schnurgeradeaus auf dem Deich durch die weite Auenlandschaft. Unterwegs in der Oberlausitz Auf dem Zittauer Kulturpfad lässt sich die historische Altstadt bequem erkunden. Er besteht seit 1914 und verbindet alle wichtigen Sehenswürdigkeiten, wie das imposante Rathaus, das siebenstöckige Salzhaus von 1511 oder die Fleischerbastei mit der prächtigen Blumenuhr am Grünen Ring.

Im Anschluss an den Stadtrundgang muss ich mich mit erhöhtem Verkehrsaufkommen arrangieren, denn auf einem Radweg geht es parallel zu einer großen Straße, durch leichte Hügel gen Norden nach Hirschfelde. Hier versteckt sich hinter schlichter Backsteinfassade ein beeindruckendes technisches Denkmal und ein Besuch des Kohlekraftwerks lohnt nicht nur für Technikfreaks. Zurück im Sattel führen die Radwegmarkierungen kreuz und quer durch die schmalen Gässchen des Orts. Sie werden von dicht gedrängten Umgebindehäusern gesäumt, die der Lausitz ihr charakteristisches Gesicht verleihen.

Anschließend kreuzt mein Weg ein letztes Mal die breite Bundesstraße und führt in ein enges, wildromantisches Flusstal der Neiße, umgeben von dichtem Wald. Am Ende öffnet sich das Tal und ich stehe im Innenhof des Klosters St. Marienthal. Als Kontrastprogramm zum vorherigen engen Tal-Abschnitt schnurren die Reifen nun durch eine weite Flusslandschaft bis nach Görlitz. Die Stadt entstand auf einem zur Neiße hin abfallenden Hang, wo der alte Handels- und Pilgerweg Via Regia den Flusslauf kreuzt. Direkt am Ufer stehen die Häuser dicht gedrängt, und oben auf dem Stadthügel vermitteln die prächtig renovierten Gebäude einen guten Eindruck von der mittelalterlichen Stadt…

Michael Hennemann

Preishinweise

  • Oder-Neiße Anfahrt: Reguläres Zugticket von Frankfurt/Main nach Liberec (einfache Fahrt) ca. 100 Euro
  • Übernachtung: Doppelzimmer in einer einfachen Pension mit Frühstück ab 40 Euro Essen: Mittagstisch in Dorfgaststätte ab 8 Euro

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 01/2012.

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