Durch die Nationalparks: Böhmerwald & Bayerischer Wald

Teils über 1.400 Meter hohe Berge trennen die Wasser zwischen Nordsee und Schwarzem Meer und mitten hindurch zieht sich seit mehr als 500 Jahren die Grenze zwischen Bayern und Böhmen. In der kargen, teils von großen Hochmooren durchsetzten Region lagerten reiche Bodenschätze. Die Spuren der Eisen- und Glasverhüttung sind noch allenthalben sichtbar. Detlef Stöcker durchstreifte die grenzenlos schönen Auen, Berge und Wälder an der Nahtstelle zweier Kulturen.

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Willkommensschild im Nationalpark Böhmerwald (oben). – Über blühende Wiesen zu Tal (unten).

»Niemiecki, Německy – Deutsche,«, erklärte mir vor vielen Jahren ein alter kaschubischer Mann an der polnischen Ostseeküste auf der Halbinsel Hel, »bedeutet im Altslawischen: ‘Die nicht sprechen’ oder auch ‘Die nicht lachen’. Gerade jetzt kommt es mir wieder in den Sinn, als mir eine unbefangen singende Gruppe junger Tschechen am Lagerfeuer auffällt. Andere Tschechen setzen sich dazu und singen mit, teilen was sie ans Feuer mitbringen und sind guter Dinge. Wenige Meter daneben eine Gruppe junger deutschsprachiger Schweizer. Der Kastenwagen vor dem Eingang ihrer burgartig ausgebauten Zeltbehausung, die drei Igluzelte nochmals im Ganzen mit einer billigen Baumarktplane überspannt und nach außen hin herunter bis zum Boden hinab geführt. Unter dieser Plane glimmt ein kleines »Privatlagerfeuer« und die drei Schweizer sitzen im Rauch ihrer »Planenhöhle«. Sie raunen nur leise, während musikähnliche Konservengeräusche verhalten aus dem Lautsprecher wabern.

Etwas abseits sind holländische Wohnwagen mit schweigsamen Friesen platziert, die angesichts des lauten Treibens am Feuer den Rückzug in ihre Caravan-Fliehburg antreten. Irgendwo dazwischen stehe ich, gerade angekommen in Železná Ruda am Autocamp am Ortsrand, direkt neben dem Fluss, der in Deutschland Großer Regen und hier schlicht Řezná genannt wird, und nur wenige Kilometer von hier am Osthang des 1.214 Meter hohen Bergs Pancíř (Panzer) aus einem Hochmoor entspringt.

Feuchtigkeit vom vor kurzem vorüber gezogenen Gewitter steigt dampfend aus der Wiese und der Řezná rauscht laut hörbar über eine Schwellstrecke. Nachdem mein Zelt steht, denke ich nicht lange darüber nach, was ich unternehme. Ich geselle mich zu den Tschechen am Lagerfeuer. Schnell sind einige Flaschen Gambrinus aus Pilsen aus dem Kofferraum geholt und mit einem lockeren »dobrý večer« (guten Abend) ist das Eis gebrochen. Es sind Studenten aus Prag, erfahre ich im flotten Wechsel zwischen Englisch, Deutsch und meinen eher rudimentären Kenntnissen slawischer Sprachen mit leicht polnischem Einschlag, da ich bislang mehr in Polen reiste. Doch wir verständigen uns gut und manche fehlerhafte Aussprache führt zuweilen zu großer Heiterkeit in der Runde.

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Der Schwingrasen am Arbersee entstand durch das Aufstauen des Sees um 80 cm für die Holzdrift im 19. Jahrhundert. Dabei wurde die obere Vegetation vom Torfkörper getrennt und schwimmt seither auf der Wasseroberfläche.

Nach dem Herabbrennen des Feuers lichten sich die Reihen und ich höre, dass meine gastfreundlichen »Feuerbesitzer« morgen früh durch den Nationalpark nach Špičák (Spitzberg) und zurück wandern wollen, was hin und zurück etwa eine Wanderstrecke von etwa 26 Kilometer ausmacht. Mich zieht es hoch zur Quelle des Großen Regen bzw. Řezná. Und ich folge dem Fluss selbst vom Autocamp bis zu seinem Ursprung, es dürften etwa sechs Kilometer bergauf sein. Der deutschsprechende Autocamp-Mitarbeiter bestätigt das nach einer schnellen Web-Recherche in seinem Büro. Also Rucksack gepackt und los!

Zur Quelle des Rezná

Zwischen den Blockhütten am Ufer des »Autocamp Železná Ruda« folge ich dem Großen Regen, der hier eher ein Gebirgsbach als ein »großer« Fluss ist. Die Talwiesen stehen in voller Blüte und erstrahlen in Gelb, Orange, Violett und Grün. Am Wiesenrain begrenzt dunkler Wald, vorwiegend Fichten, die sonnenüberstrahlte Aue. Dazwischen wild, klein und ungestüm der noch beinahe »kleinkindliche« Fluss, der bereits von beiden Ufern zuströmendes Wasser sammelt, um zu wachsen. Auswaschungen und Erosion am Bachbett lassen die Macht der Schneeschmelze im Frühjahr erahnen. Mit zunehmender Höhe und soweit das Auge reicht Berge, Wiesen, Wälder – nicht so karg wie in den Alpen auf 1.000 und mehr Metern Höhe. Sanftere Linien, weichere Gipfel – die Anzeichen eines sehr alten Gebirges, das schon weiter erodiert ist als die vergleichsweise jungen Alpen.

Detlef Stöcker

Daten und Fakten

  • Länge/Charakter: Die Rundwanderung vom Autocamp Železná Ruda zur Quelle des ŘRezná und zurück erstreckt sich über 11 Kilometer. Dabei überwindet man einen Höhenunterschied von etwa 300 Metern zu Berg und ebenso viel wieder zu Tal. Die Anstiege ziehen sich zumeist anhaltend und gleichmäßig hin und überforden nicht mit knackicken Anstiegen. Auf Waldwegen und Wiesentrails führt der Weg zur Quelle.
  • Der Große Arbersee: Er ist der größte der Bayerwald-Karseen. Mit 550 Metern Länge und 260 Metern Breite ist der Weg herum nicht weit, nur etwa 2,5 Kilometer, also eher ein Spaziergang als eine Wanderung. Allerdings sollte man durchaus mindestens eine, besser eineinhalb Stunden Weg einplanen, um die atemberaubende Landschaft vollends genießen zu können. Nur leichte Höhenunterschiede sind zu überwinden, so dass die Aufzählung der Höhenmeter nicht erforderlich ist. Die beste Zeit, den See zu umrunden, ist abends an einem sonnigen Tag, wenn die Vielzahl der Touristen weg ist und die Gaststätte bereits geschlossen hat. Erst dann erlebt man den Zauber des Sees und der Arberwand vollends in Ruhe. Im Zwielicht der aufkommenden Dämmeurng treten dann auch die »Trolle« besonders plastisch in Erscheinung und der ganze See erstrahlt in seiner ganzen majestätischen Herrlichkeit.
  • Links: www.npsumava.cz/de (Infoseite Šumava Nationalpark); www.autocamp-zeleznaruda.cz/de/ (Homepage des campingplatzes in Železná Ruda); www.nationalpark-bayerischer-wald.de (Infoseite Nationalpark Bayerischer Wald); www.bayerischer-wald.de (allgemeine Infos zur Region Bayerischer Wald)
  • Literatur: »Bayerischer Wald« von Eva Krötz und Nikolaus Pollmann (Rother Wanderführer; ISBN 978-3-7633-4225-9; 14,90 Euro); »Bayerischer Wald« von Egon M. Binder (DuMont aktiv Wandern; ISBN 978-3-7701-5212-4; 12 Euro); »Böhmerwald« von Rosemarie und Nikolaus Pollmann (Rother Wanderführer; ISBN 978-3-7633-4011-8; 14,90 Euro). Karten: Kompass Wanderkarte 198 »Bayerischer Wald« (dreiteiliges Kartenset mit Naturführer; Maßstab 1:50.000; ISBN 978-3-8502-6024-4; 14,99 Euro); Kompass Wanderkarte 2080 »Böhmerwald-Eisenstein« (Maßstab 1:50.000; ISBN 978-3-8502-6052-7; 7,50 Euro); »Zwieseler Winkel« (Publicpress; Maßstab 1:35.000; ISBN 978-3-8992-0352-3; 4,95 Euro).

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 02/2012.

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