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Hallo, liebe Leserinnen und Leser!

Wer sonst, wenn nicht wir?

Es ist verrückt und trotzdem typisch menschlich: Wie wichtig etwas ist, merken wir oft erst, wenn es zu spät ist. Wenn der Liebste endgültig verflossen, ein Lebensabschnitt unwiederbringlich beendet oder eine Tür hinter uns zugeschlagen ist. Die gute Nachricht: Aus Fehlern kannman lernen – und beim nächsten Mal weitsichtiger handeln. Leider hat sich unsere Spezies angewöhnt, das Auslöffeln der eingebrockten Suppe »anderen« zu überlassen: denen, die weit entfernt leben und jenen, die erst noch geboren werden müssen. Aber selbst die enthusiastischsten unter den zukünftigen Erdenbürgern werden bei dem Versuch, die Fehler vergangener Generationen wieder gutzumachen, an ihre Grenzen stoßen. Manche Türen, einmal zugeschlagen, lassen sich ganz einfach nicht mehr öffnen.

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Abb. (2): Jana Steingässer

Zu Pferd und mit den Packrafts einem der großen Balkanflüsse, der Vjosa, zu folgen, hat mir die Augen geöffnet. Die letzten frei fließenden und extrem artenreichen Flussläufe Europas werden zur Zielscheibe eines einzigartigen Wasserkraft-Booms, bei dem internationale Investoren unter dem Deckmantel grüner Energie absahnen. Die Konsequenzen aus der Zerstörung der Balkanflüsse (und die seien hier nur stellvertretend genannt) tragen – nein, nicht diejenigen, die Ökosysteme und ökologische und kulturelle Lebensgrundlagen zerstört haben –, sondern die Menschen, die an, mit und von der Vjosa leben, sowie deren Kinder und Enkelkinder. Und damit letztendlich wir alle. Das können wir so hinnehmen. Zum Beispiel, indem wir uns einreden, einfach so weitermachen zu können wie bisher und trotz steigenderWeltbevölkerung wachsende Energie- und Konsumbedürfnisse befriedigen. Wir könnten aber auch ganz andere Wege gehen und aufhören, uns selbst zu täuschen. Was wir alle beim Trekken, Paddeln, Reiten oder Radeln bestaunen und erkunden dürfen, ist schließlich nicht mehr und nicht weniger als die Lebensgrundlage unserer Spezies.

Die Vjosa hat mich etwas gelehrt: die biologische Vielfalt unseres Planeten mit den Augen einer weitsichtigen Liebhaberin zu sehen, die schon einmal zu spät realisiert hat, was auf dem Spiel stand.Wenn nicht wir weit Gewanderten, liebe Leserinnen und Leser, wer dann?


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Ihre Anna Rettig | Autorin trekking-Magazin

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